Gezielt gespanntes Warten
Schnelligkeit und präzise Ortung sind für den Erfolg der Radnetzspinnen also sehr wichtig. Um dies zu optimieren erhöhen einige Radnetzspinnenarten die Empfindlichkeit ihrer Signalfäden, indem sie diese mit ihren Füßen leicht anspannen. So auch die Spinnen der Art Cyclosa octotuberculata – die Versuchstiere von Kensuke Nakata von der Kyoto Womens University. In speziellen Rahmenstrukturen bauen die Spinnen ihre Netze im Labor des Forschers überwacht von Kameras. Für seine aktuelle Studie teilte Nakata seine tierischen Probanden in zwei Gruppen ein: Den einen warf er täglich eine Fliege entweder oben oder unten ins Netz – also in vertikaler Dimension. Den Anderen dagegen lieferte er die Beute rechts oder links ins Netz und damit in horizontaler Ausrichtung. Er wollte nun herausfinden, ob sich diese räumlich unterschiedliche Darreichung auf das Verhalten der Spinne auswirkt.
Normalerweise spannen die Spinnen ihre Signalfäden in allen Richtungen des Netzes gleichmäßig an. Doch nicht so die trainierten Versuchstiere, berichtet Nakata. Auf den Kameraaufzeichnung war erkennbar, dass Spinnen, die an rechts und links bei der Futtergabe gewöhnt waren, gezielt die Signal-Fäden in horizontaler Ausrichtung anspannten. Die Vergleichstiere, bei denen die Fliege stets im Norden oder Süden des Netzes gezappelt hatte, strafften dagegen die Fäden in vertikaler Dimension. Die Tiere erwarteten demnach das Signal aus den entsprechenden Richtungen sie hatten die Regel der Futtergabe also erfasst und in eine sinnvolle Verhaltensänderung umgesetzt, erklärt Nakata. Dem Forscher zufolge dokumentiert dies die Flexibilität des Verhaltens von Spinnen: Sie können lernen und sich dadurch Vorteile verschaffen.





