Auf dem chinesischen Markt als Delikatesse gehandelte Haifischflossen stammen von Haien aus allen Ozeanen der Erde ? auch aus Regionen, in denen bestimmte Haiarten unter Schutz stehen. Das haben Forscher herausgefunden, als sie die DNA von Haifischflossen analysierten, die auf dem Markt in Hongkong angeboten wurden. Die Analysen an den Bogenstirn-Hammerhaien verglichen sie mit denen frei lebender Tiere und konnten so die ursprüngliche Herkunft der Tiere zurückverfolgen. Etwa 21 Prozent der angebotenen Haifischflossen stammten aus dem Westatlantik, obwohl diese Tierart dort als bedroht gilt und unter besonderem Schutz steht.
Um den Handel mit Haien und ihren Flossen gezielt bekämpfen zu können, muss zunächst die Herkunft der Tiere bekannt sein. Die Wissenschaftler beschränkten sich in ihren Untersuchungen auf Bogenstirn-Hammerhaie (Sphyrna lewini), denn diese wandern nicht viel und halten sich in festen Gebieten auf: Die weiblichen Tiere kehrten an ihren eigenen Geburtsort zurück, um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Später bleiben die Tiere im Westen des Atlantiks und verteilen sich auf die Küste vor den USA und Mexiko, die Küste vor Panama und Belize sowie in die Region vor der Küste Brasiliens.
Für die weitere Untersuchung nutzten die Wissenschaftler ein Analyseverfahren, das Rückschlüsse auf die Herkunft der Tiere zulässt. Die Forscher nahmen hierzu fingernagelgroße Proben von 177 lebenden Bogenstirn-Hammerhaien aus dem Westatlantik. Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler DNA-Proben von 62 Flossen dieser Tierart, die auf dem Hongkonger Markt angeboten worden waren, und konnten bei 57 Flossen feststellen, aus welchen Regionen diese stammten: Die Tiere wurden demnach in allen Ozeanen der Erde gefangen. Etwa jede fünfte der Hammerhai-Flossen hatte ihren Ursprung jedoch im Westatlantik ? einer Region, in der die Tiere von der Weltnaturschutzunion als “gefährdet” eingestuft sind und daher Schutz genießen müssten.
Die Arbeit zeige, dass der Handel mit Haifischflossen global verfolgt und bekämpft werden müsse, fordert Chapman. Schätzungseise werden jährlich 73 Millionen Haie getötet, um die Flossen auf dem chinesischen Markt anzubieten. Ein bis drei Millionen dieser Flossen sollen von Hammerhaien stammen. “Unzureichender Schutz im Zusammenhang mit der erbarmungslosen Jagd haben dazu geführt, dass viele Haifischarten vom Aussterben bedroht sind”, kommentiert Co-Autorin Ellen Pikitch die Situation.
Demian Chapman (Nova Southeastern University, Fort Lauderdale) et al.: Endangered Species Research ddp/wissenschaft.de ? Jessica von Ahn





