Hydrothermale Tiefseequellen (sogenannte vents) gehören zu den bizarrsten Ökosystemen, die wir kennen. Von vielen der an und von den Hydrothermen lebenden Organismen sind bereits physiologische und biochemische Details bekannt. Doch die physikochemischen Kontrollfaktoren, welche die räumliche Verteilung der Lebensformen an einem solchen Tiefsee-Schlot bestimmen, sind seit der Entdeckung dieser Extrembiotope vor mehr als 20 Jahren auch heute noch rätselhaft.
Amerikanische Wissenschaftler konnten jetzt nachweisen, dass markante chemische Unterschiede im Sauerstoff-, Eisen- und Schwefelhaushalt in verschiedenen Mikrohabitaten mit der räumlichen Verteilung bestimmter vent-Organismen einer Tiefseequelle im Zusammenhang stehen. In höhertemperierten Mikrohabitaten (über 30 Grad Celsius) reduziert beispielsweise die Bildung löslicher, molekularer Eisensulfid-Cluster die Verfügbarkeit freien Schwefelwasserstoffs für die Mikroorganismen und wirkt somit kontrollierend auf das Ökosystem, berichten die Wissenschaftler in der Zeitschrift Nature (Bd. 410, S. 813).
Die Forscher nahmen für ihre Untersuchungen an einer Hydrotherme am Ostpazifik-Rücken erstmals in-situ-Messungen vor, bei denen sie ihre Meßelektroden sogar bis in die Wohnbauten von Röhrenwürmern lavierten.
Das Wissen um das Zusammenspiel von Sauerstoff, Schwefelwasserstoff, Eisensulfid und Eisen-Ionen als Kontrollfaktoren für biologische Phänomene in ursprünglichen (archaischen), irdischen Lebensräumen kann, so vermuten die Wissenschaftler, auch für die gezielte Suche nach Lebensformen auf anderen Planeten hilfreich sein.
Olaf Elicki




