Zusammengedrückt vom Büromöbel
Doch was ist im Alltag, in den vielen Situationen, in denen man solche Körperhaltungen nicht absichtlich einnimmt, sondern gezwungenermaßen – etwa weil der Schreibtisch am Arbeitsplatz riesig ist oder der Autositz eine bestimmte Haltung erfordert? Diese Überlegung war der Ausgangspunkt für die Untersuchung von Andy Yap an der Columbia Business School in New York und seinen Kollegen. Es handelt sich dabei mitnichten um eine rein akademische Frage, denn ein Gefühl der Macht beeinflusst Verhalten und Stimmungslage – das haben bereits viele Studien gezeigt: Es kann beispielsweise die persönliche Risikobereitschaft erhöhen, verbessert häufig auch die Kreativität und die Stressresistenz, lässt aber ebenso den Hang zu Unehrlichkeit und Egoismus in den Vordergrund treten.
Yap und sein Team entwarfen daher vier Szenarien, um zu testen, ob es im Alltag tatsächlich einen solchen Zusammenhang zwischen Unehrlichkeit und Körperhaltung gibt. Im ersten baten sie 88 Passanten, sich einmal zu strecken oder zusammenzukauern und dabei Bilder von Gesichtern anzusehen – letztere dienten dazu, den eigentlichen Zweck der Studie zu maskieren. Dafür wurde ihnen eine Belohnung von vier Dollar versprochen. Tatsächlich drückten die Forscher den Teilnehmern am Ende jedoch nicht vier Ein-Dollar-Scheine in die Hand, sondern einen Fünfer und drei Ein-Dollar-Noten – und schauten, wie viele von ihnen diesen “Fehler” melden würden. Der Unterschied war verblüffend deutlich, berichten Yap und seine Kollegen: Von denen, die zuvor die kauernde Haltung eingenommen hatten, behielten 38 Prozent das zusätzliche Geld. Bei denen aus der gestreckten Gruppe waren es dagegen 78 Prozent.
Kleine Unterlage mit großer Wirkung
Im zweiten Teil gingen die Psychologen dann zu einer Situation über, in der die Probanden nicht gezielt eine bestimmte Körperhaltung einnehmen sollten, sondern dies unbewusst taten. Ihre Aufgabe war es zunächst, Wörter aus Buchstabensalat zusammenzusetzen – pro richtigem Wort wurde ihnen ein Dollar versprochen. Dann sollten sie an einem Arbeitsplatz mit einer Schreibtischunterlage eine Kollage aus Materialien zusammenstellen, die rund um die Unterlage platziert waren. Die Hälfte der 34 Teilnehmer dieses Teils bekam dabei eine 60 mal 95 Zentimeter große Unterlage, musste sich also deutlich strecken, um die Materialien einzusammeln und hatte anschließend viel Platz fürs Basteln. Bei der anderen Hälfte war die Unterlage dagegen lediglich 30 mal 50 Zentimeter groß. In diesen Fällen mussten die Probanden die Arme eng am Körper halten und ihren Rücken krümmen, um ihre Kollage fertigstellen zu können.
Am Ende des Tests gaben die Forscher dann vor, gerade etwas im Stress zu sein und gaben den Teilnehmern die Lösungsbögen des Wortspiels in die Hand, so dass sie ihre Punktzahl und damit Belohnung selbst ausrechnen konnten. Auch hier zeigte sich wieder: Die gestreckte Haltung der Teilnehmer mit den großen Unterlagen verfehlte ihre Wirkung nicht – diese Probanden gaben im Vergleich zur anderen Gruppe deutlich häufiger an, mehr Wörter gefunden zu haben, als das tatsächlich der Fall gewesen war.





