Wie braun unsere Haut ist, hängt vom Hauttyp und damit von den Pigmentzellen in unserer Haut ab, den Melanozyten. Ihre Anzahl ist zwar bei allen Menschen ungefähr gleich, doch sie produzieren je nach Hauttyp verschiedene Pigmentpakete. Bei hellhäutigen und rothaarigen Menschen dominierten in den Farbstoffpaketen das Pigment Phaeomelanin, das eher rötlich-braun erscheint. Bei Menschen mit einer von Natur aus dunkleren, bräunlichen Hautfarbe produzieren die Pigmentzellen dagegen vor allem Eumelanin, das Pigment, das für braune und schwarze Pigmentierung bei Haut und Haaren sorgt. Setzen wir unsere Haut der Sonne aus, löst dies in den Melanozyten eine Reaktionskette aus, die zur vermehrten Produktion des Eumelanins führt – wir werden braun. Das verändert nicht nur unser Aussehen, es schützt auch das Erbgut in unseren Hautzellen vor DNA-Schäden durch die UV-Strahlung. “Menschen mit heller Haut und/oder schlechter Bräunungsfähigkeit haben daher ein höheres Risiko ein Melanom, ein Basalzellen-Karzinom oder ein Plattenepithelkarzinom zu entwickeln”, erklären Nisma Mujahid von der Boston University und seine Kollegen.
Durch die Barriere
Würde man ein Mittel finden, mit dem sich die Eumelanin-Produktion bei Hellhäutigen anregen ließen, könnte man daher dem Hautkrebs vorbeugen – und gleichzeitig eine attraktive Bräunung ganz ohne Sonnenbaden erreichen. Tatsächlich glaubten Forscher vor gut zehn Jahren schon einmal, ein solches Mittel gefunden zu haben. In Versuchen mit Mäusen bewirkte das Molekül Forskolin schon bei mehrmaligem Auftragen auf die Haut eine Bräunung. Es wirkte, indem es ein Protein in der Reaktionskette der Pigmentproduktion aktivierte und so den genetisch bedingten Eumelaninmangel ausglich. Doch als die Forscher dieses Mittel an menschlicher Haut ausprobierten, wurden sie enttäuscht. “Die menschliche Haut ist eine sehr gute Barriere, deswegen funktionierten diese Ansätze nicht”, erklärt Koautor David Fisher vom Massachusetts General Hospital. Das wirksame Molekül konnte einfach nicht weit genug eindringen, um die Pigmentzellen zu erreichen.
Jetzt jedoch haben die Forscher pigmentfördernde Moleküle gefunden, die klein und fettlöslich genug sind, um die Hautbarriere passieren zu können. Diese sogenannten SIK-Inhibitoren wirken ebenfalls auf die Reaktionskette der Pigmentbildung, setzen allerdings an anderer Stelle an als das Forskolin. Doch auch sie aktivieren ein Protein, das dann seinerseits die Eumelaninbildung ankurbelt, wie Experimente mit Pigmentzellen in Kultur und mit Mäusen ergaben. Je höher die Dosis und je häufiger die Gabe des Mittels, desto stärker war dabei die Pigmentbildung. Die Bräunung funktionierte selbst bei Mäusen mit einem Gendefekt, der normalerweise die Eumelaninbildung verhindert. Ob die SIK-Inhibitoren auch bei menschlicher Haut wirken, testeten die Forscher anschließend an Hautstücken, die bei chirurgischen Eingriffen übrig geblieben waren. Die Forscher trugen das Mittel acht Tage lang täglich die Hautstücke auf und überprüften den Bräunungsgrad und die Eumelaninproduktion.





