Durch die Barriere
Würde man ein Mittel finden, mit dem sich die Eumelanin-Produktion bei Hellhäutigen anregen ließen, könnte man daher dem Hautkrebs vorbeugen – und gleichzeitig eine attraktive Bräunung ganz ohne Sonnenbaden erreichen. Tatsächlich glaubten Forscher vor gut zehn Jahren schon einmal, ein solches Mittel gefunden zu haben. In Versuchen mit Mäusen bewirkte das Molekül Forskolin schon bei mehrmaligem Auftragen auf die Haut eine Bräunung. Es wirkte, indem es ein Protein in der Reaktionskette der Pigmentproduktion aktivierte und so den genetisch bedingten Eumelaninmangel ausglich. Doch als die Forscher dieses Mittel an menschlicher Haut ausprobierten, wurden sie enttäuscht. “Die menschliche Haut ist eine sehr gute Barriere, deswegen funktionierten diese Ansätze nicht”, erklärt Koautor David Fisher vom Massachusetts General Hospital. Das wirksame Molekül konnte einfach nicht weit genug eindringen, um die Pigmentzellen zu erreichen.
Jetzt jedoch haben die Forscher pigmentfördernde Moleküle gefunden, die klein und fettlöslich genug sind, um die Hautbarriere passieren zu können. Diese sogenannten SIK-Inhibitoren wirken ebenfalls auf die Reaktionskette der Pigmentbildung, setzen allerdings an anderer Stelle an als das Forskolin. Doch auch sie aktivieren ein Protein, das dann seinerseits die Eumelaninbildung ankurbelt, wie Experimente mit Pigmentzellen in Kultur und mit Mäusen ergaben. Je höher die Dosis und je häufiger die Gabe des Mittels, desto stärker war dabei die Pigmentbildung. Die Bräunung funktionierte selbst bei Mäusen mit einem Gendefekt, der normalerweise die Eumelaninbildung verhindert. Ob die SIK-Inhibitoren auch bei menschlicher Haut wirken, testeten die Forscher anschließend an Hautstücken, die bei chirurgischen Eingriffen übrig geblieben waren. Die Forscher trugen das Mittel acht Tage lang täglich die Hautstücke auf und überprüften den Bräunungsgrad und die Eumelaninproduktion.
Braun nach nur acht Tagen
Das Ergebnis: Obwohl menschliche Haut rund fünfmal dicker ist als Mäusehaut, drangen die SIK-Inhibitoren tief genug ein, um wirken zu können, wie die Forscher berichten. Die behandelten Hautstücke wurden im Laufe der acht Tage allmählich bräunlicher und auch die Menge des Eumelanins in der Haut stieg an. “Diese Ergebnisse demonstrieren einen realistischen Weg hin zu einer UV-unabhängigen Beeinflussung der Hautpigmentierung”, konstatieren Mujahid und seine Kollegen. Dieser Ansatz könnte ihrer Ansicht dazu beitragen, Hautkrebs wirksamer vorzubeugen als bisher möglich. So könnte man solche SIK-Inhibitoren beispielsweise der Sonnenmilch zugeben, um einen doppelten Schutz zu erzielen: Abschirmung gegen die UV-Strahlung auf der Hautoberfläche und gleichzeitig in der Haut selbst.





