Neben den Ägyptern, Griechen und Assyrern waren sie die vierte Großmacht im östlichen Mittelmeerraum der Bronzezeit. Auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung kontrollierten die Hethiter von ihrer Hauptstadt Hattusa aus große Teile des Gebiets der heutigen Türkei sowie Bereiche bis ins heutige Israel. Sie unterhielten auch diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen mit den anderen Mächten ihrer Ära – und führten mit ihnen Kriege. Berühmt ist etwa die Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) gegen die Ägypter. Rund 500 Jahre lang spielte das Reich der Hethiter eine wichtige Rolle auf der Bühne der Geschichte.
Paläoklimatischen Entwicklungen auf der Spur
Doch dann kam um 1200 v. Chr. unter bisher nicht geklärten Umständen das Aus: Der Staat zerbrach und die Hauptstadt Hattusa wurde schließlich sogar verlassen. Für diesen abrupten Kollaps wurden verschiedene Faktoren verantwortlich gemacht – militärische Niederlagen oder interne Machtkämpfe führten möglicherweise zum Ende. Eine weitere Rolle könnten allerdings auch gesellschaftliche Probleme im Zusammenhang mit Hungersnöten in Folge von Klimaeffekten gespielt haben. Dieser Möglichkeit sind die Forscher um Sturt Manning von der Cornell University in Ithaca im Rahmen ihrer Studie genauer nachgegangen.
Um Einblicke in die Klimabedingungen in Zentralanatolien zur fraglichen Zeit zu gewinnen, wendeten die Forscher dendrologische Verfahren an: Sie untersuchten Holzbalken von Wacholderbäumen, die aus einem Grabhügel 230 Kilometer westlich von Hattusa stammen. Sie wurden dort Jahrhunderte nach dem Untergang des Hethiterreichs verbaut, stammten aber von Bäumen, die bereits in der Ära ihrer Herrschaft gewachsen waren. Das Team untersuchte die Merkmale der datierbaren Ringstrukturen des Holzes und unterzogen sie zusätzlich einer Isotopenanalyse. Im Verhältnis der verschiedenen Atomsorten des Kohlenstoffs spiegelt sich die Wasserversorgung der Pflanze zu bestimmten Zeiten wider.
Drei extreme Dürrejahre zur Zeit des Kollapses
Wie die Forscher berichten, zeichnete sich grundsätzlich ab, dass das Klima in der Region in der Spätzeit der Hethiter-Ära immer trockener wurde. In diesem Rahmen gab es allerdings eine besonders harte Phase, die genau zum Zeitfenster des Kollapses des Hethiterreiches passt: In den drei Jahren von 1198 bis 1196 v. Chr. herrschte extreme Dürre. “Wir haben dazu zwei sich ergänzende Hinweise”, sagt Manning. “Die schmalen Jahresringe deuten darauf hin, dass der Baum um sein Überleben gekämpft hat. In der Region ist der einzige plausible Grund dafür, dass es wenig Wasser gab. Es herrschte also Dürre und diese ist drei Jahre in Folge besonders schlimm. Die aus den Jahresringen gewonnenen stabilen Isotope bestätigen diese Erklärung zusätzlich“, sagt Manning.





