Der Boden ist eine unserer wichtigsten Ressourcen. Er liefert einerseits das fruchtbare Substrat für den Anbau von wichtigen Nahrungspflanzen und trägt damit entscheidend zur Nahrungsversorgung der Menschheit bei. Zusätzlich jedoch spielt er eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf unseres Planeten. Nach den Ozeanen ist der Boden die zweitgrößte Kohlenstoffsenke und sorgt damit für die Stabilität unseres Klimas. Doch Landwirtschaft, Entwaldung und anderen Formen nicht naturgerechter Landnutzung haben den Boden inzwischen zur zweitgrößten Emissionsquelle von Treibhausgasen gemacht.
Fasst man alle Vorteile und nützlichen Dienste zusammen, die das Ökosystem Boden für die Menschheit leistet, dann kommt man auf mehr als 100 Billionen Euro pro Jahr. Doch diese Dienste nehmen rapide ab, je weiter die Übernutzung und Degradation der Böden anhält. Um diesen Trend zu quantifizieren, hat eine Kollaboration aus 30 Forschungseinrichtungen in verschiedensten Ländern vier Jahre lang Daten zu Landnutzung, Ökologie und den vom Boden geleisteten Diensten wie Nahrung, Armutsvermeidung, sauberes Wasser oder das Recycling von Nährstoffen gesammelt und ausgewertet.
Bis zu 1300 Euro pro Kopf und Jahr
Ihr Ergebnis fasst den besorgniserregenden Trend nun in harte Zahlen: Jedes Jahr gehen allein durch die Bodendegradation weltweit zwischen 5,5 und 9,4 Billionen Euro an Ökosystemleistungen verloren. Auf jeden Einzelnen umgerechnet entspricht dies 770 bis 1300 Euro pro Kopf und Jahr. “Die Bodendegradation frisst unser fruchtbares Land weg – und damit unsere Ressourcenbasis”, warnt Monique Barbut, Exekutivsekretärin der UN Konvention gegen Desertifikation.
Bereits jetzt gelten 52 Prozent aller landwirtschaftlichen Böden weltweit als mittel bis schwer degradiert, wie die Forscher berichten. Zusätzlich hat sich die von schweren Dürren betroffene Landfläche von den 70er Jahren bis zu den frühen 2000ern verdoppelt. Etwa ein Drittel der gesamten Böden weltweit ist von einer Degradation bedroht, ein Drittel Afrikas ist sogar in Gefahr, zur Wüste zu werden. Neben dem Klimawandel ist vor allem eine veränderte Landnutzung schuld: Auf ihr Konto gehen 75 Prozent der Einbußen an Ökosystem-Dienstleistungen, wie die Wissenschaftler ausrechneten.

Folgen der Entwaldung und Bodendegradation in Indonesien (Foto: Andreas König / GIZ)
50 Millionen Flüchtlinge
Und noch etwas zeigt die Auswertung: Geht der Trend so weiter, wird die Bodendegradation Millionen von Menschen aus den am stärksten betroffenen Gebieten vertreiben. “Landdegradation ist einer der Faktoren, die zur Migration führen – und sie wird durch den Klimawandel noch verstärkt”, sagt Daniel Calleja Crespo von der EU-Kommission.





