Blutkonserven werden gerade während der Spenderflaute in den Sommermonaten zur Mangelware. Diese Versorgungslücke könnte in Zukunft ein neuer Bioreaktor schließen, den Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich nun entwickelt haben. In einem speziellen Kultursystem bewegen sich die Blutzellen frei in einer gerührten Nährlösung. Die Forscher glauben, damit gezielt Zellen für Blutspenden produzieren zu können.
Mit einem zweiten Reaktor-System gehen die Jülicher Biotechnologen sogar einen Schritt weiter. Blutbildende Stammzellen, die bislang nur aus Knochenmark oder Nabelschnurblut gewonnen werden können, wollen sie in ausreichender Menge in ihrem Bioreaktor vermehren. Sinnvoll wären diese Zellen besonders für Krebspatienten, deren zerstörtes Immunsystem nach einer Chemo- oder Strahlentherapie nur über eine Knochenmark-Spende wieder aufgebaut werden konnte. Zudem kann heute für etwa 20 Prozent aller Patienten trotz weltweiter Suche kein passender Spender gefunden werden.
In dem Bioreaktor wird das natürliche Umfeld des blutbildenden Knochenmarks simuliert. Dazu benutzten die Wissenschaftler kleine poröse Kugeln aus Kollagen, einem Eiweiß, in deren Hohlräumen sich die Stammzellen wie in den Nischen des Knochenmarks ansiedeln können. Nach der Vermehrung ernten sie die blutbildenden Zellen, indem sie ein Enzym zugeben, das die Kugeln auflöst. Übrig bleiben die wertvollen Zellen. Auf diese Weise können bereits klinisch relevante Mengen produziert werden, auch wenn das Verfahren vor dem klinischen Einsatz noch intensiv geprüft werden muss.
Jan Oliver Löfken





