Ein Tropfen Blut könnte vielleicht schon bald ausreichen, um frühzeitig eine Alzheimer-Erkrankung zu erkennen. Forscher der Universitäts-Klinik in St. Louis, USA, haben zusammen mit Kollegen des Pharmakonzerns Eli Lilly einen entsprechenden Test erfolgreich an Mäusen erprobt, berichtet das Magazin “Science” (Bd. 295, S. 2264).
Bislang können Mediziner eine Alzheimer-Erkrankung oft erst nach dem Tod des Patienten verlässlich diagnostizieren. Als deutliches Zeichen gelten sichtbare Ablagerungen im Gehirn, so genannte “Plaques”. Zu Lebzeiten lassen sich dagegen die Symptome des Leidens nur schwer von anderen Formen der Altersdemenz unterscheiden. Eine eindeutige Diagnose ermöglicht jedoch erst die Wahl der passenden Behandlung.
Seit längerem hoffen Ärzte daher auf sichere und einfache Tests. Ein Bluttest wäre hier optimal. Entsprechende Verfahren scheiterten bisher jedoch daran, dass die Bruchstücke der Plaques im Blut, so genanntes Amyloid-beta, nicht mit der Menge der Ablagerungen im Gehirn übereinstimmt.
Die Forscher aus St. Louis haben jedoch einen Antikörper mit dem Codenamen “m266” entwickelt, der die Konzentration von Amyloid-beta im Blut kurzzeitig von der Plaquemenge im Gehirn abhängig macht. Die “Alzheimer-Mäuse” bilden aufgrund eines genetischen Merkmals innerhalb eines Jahres mehr oder weniger ausgeprägte Amyloid-Ablagerungen aus. Die Injektion des speziellen, gegen das Amyloid gerichteten Antikörpers hat den Effekt, dass innerhalb von fünf Minuten der beta-Amyloid-Spiegel auf einen Wert ansteigt, der mit der Menge an Ablagerungen im Gehirn korreliert. Auf welche Weise dieser Antikörper bewirkt, dass lösliche Amyloid-Moleküle aus dem Gehirn in das Blut übertreten, wissen die Forscher jedoch nicht.
Noch ist nicht klar, ob der Test auch beim Menschen funktioniert, schreiben die Wissenschaftler. Sie hoffen jedoch, mit diesem oder einem ähnlichen Verfahren eines Tages die Krankheit schon in einem frühen Stadium erkennen zu können. Die schädlichen Ablagerungen im Gehirn entstehen nämlich bereits zehn bis zwanzig Jahre vor Ausbruch der Krankheit.
Andreas Wawrzinek / Joachim Czichos





