Durch leuchtende Farben, Gerüche, spezielle Muster und Formen sollen sie gezielt für Aufmerksamkeit sorgen: Im Lauf der Evolution haben viele Pflanzen raffinierte Blütenmerkmale entwickelt, um Tiere anzulocken, die ihnen bei der Fortpflanzung helfen sollen. Vor allem Insekten übernehmen dabei die Rolle als Überbringer von Blütenpollen. Oft bekommen sie als „Lohn“ süßen Nektar. Doch es gibt auch Pflanzen, die trickreichere Strategien nutzen: Ihre Blüten sehen aus wie mögliche Geschlechtspartner bestimmter Insekten und verleiten sie dadurch zur Landung und Aufnahme von Pollenfracht. Eine Pflanze mit einem besonders eindrucksvollen Beispiel für dieses Konzept stand nun im Fokus der Studie der Forscher um Roman Kellenberger von der University of Cambridge.
Verlockende „Fake-Fliegen“
Die in trockenen Regionen Südafrikas beheimatete Gorteria diffusa gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und besitzt eine Struktur aus strahlenförmigen Blütenblättern um ein rundes Zentrum – ähnlich wie bei einer Margerite. Doch einige der Blütenblätter von G. diffusa sind besonders: Sie sind verkürzt, besitzen eine dunkle Färbung und Höcker mit Härchen. Schon auf den ersten Blick wirken sie dadurch wie ein Insekt. Tatsächlich sollen sie Weibchen der Fliegenart Megapalpus capensis nachahmen und die Männchen dieser Insekten zur Landung verleiten, erklären die Forscher. Die Ausgetricksten versuchen sich dann vergeblich mit den Attrappen zu paaren und nehmen dabei Pollenkörner auf oder liefern der Pflanze Pollen, die sie zuvor von einer anderen Blüte aufgesammelt haben.
Klar scheint: Um diese ausgesprochen komplex wirkenden „Fake-Fliegen“ hervorbringen zu können, muss die Pflanze über spezielle Bauanleitungen in ihrem genetischen System verfügen. Um diesem interessant wirkenden Konzept auf die Spur zu kommen, haben die Wissenschaftler durch genetische Verfahren verglichen, welche Erbanlagen in den Blütenblättern mit und ohne Fliegen-Attrappen in den Blüten von G. diffusa eingeschaltet waren.
Simpel-genialer Attrappen-Bau
Wie die Forscher berichten, identifizierten sie drei Gensätze, die an der Bildung der Fliegen-Attrappen auf den Blütenblättern beteiligt sind. Die große Überraschung bestand dabei darin, dass es sich nicht etwa um exotische Spezialprogramme handelt, die nur dieses Gewächs hervorgebracht hat. Alle drei Gensätze besitzen stattdessen bereits andere Funktionen in der Pflanze und werden nur in cleverer Weise in den Blütenblättern aktiviert. Einer der Gensätze ist demnach normalerweise für die Verschiebung von Eisen in der Pflanze verantwortlich, der andere lässt Haare an den Wurzeln sprießen und der Dritte ist für die Steuerung von Entwicklungsprozessen in der Pflanze zuständig.





