Eis schmilzt, Wüsten dehnen sich aus und das Wetter spielt verrückt: In vielen Regionen der Erde zeichnen sich immer deutlicher die problematischen Folgen des Klimawandels ab. Besonders betroffen sind neben den arktischen Bereichen die Gebirgsregionen, denn sie erwärmen sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Besonders eindrucksvoll spiegelt sich dies im Rückgang der Gletscher in den europäischen Alpen wider. Doch auch über andere deutliche Veränderungen haben Forscher bereits berichtet. So gibt es auch Anzeichen einer deutlichen Veränderung der Vegetation in der Bergregion und die Schneebedeckung in tieferen Lagen nimmt ab. Der Blick der Forscher um Sabine Rumpf von der Universität Basel richtete sich nun hingegen gezielt auf den Bereich oberhalb der Baumgrenze. Sie betrachteten diese Höhenlagen dabei anhand von Satellitenaufnahmen aus dem All.
Wie sie erklären, besaß die umfassende Analyse dieses Bereichs eine besondere Bedeutung, denn dort erschienen die Trends bei der Entwicklung von Schneebedeckung und Vegetation keineswegs klar. Denn es ist schwierig einzuschätzen, wie sich die komplexen klimatischen Effekte im Zuge des Klimawandels auf die Niederschläge und Taueffekte in diesen Lagen auswirken. Wie sich die Lebensbedingungen für Pflanzen verändern, ist ebenfalls unklar: Neben möglichen positiven Effekten ist aus einigen Bergregionen Asiens auch eine Verbräunung durch ungünstige klimatische Veränderungen bekannt. Um nun für umfangreiche Überblicksdaten in der Alpenregion zu sorgen, haben Rumpf und ihre Kollegen dort die Veränderung der Schneedecke und der Vegetation oberhalb von 1700 Metern anhand von hochauflösenden Satellitendaten von 1984 bis 2021 untersucht.
Schneeschwund und Vegetationszuwachs
Aus ihren Auswertungen geht hervor: In dem Untersuchungszeitraum nahm die pflanzliche Biomasse oberhalb der Baumgrenze auf mehr als 77 Prozent der untersuchten Flächen deutlich zu. Bisherige Studien haben sich hingegen vor allem mit dem Einfluss der Klimaerwärmung auf die Biodiversität in den Alpen und mit Veränderungen in der Verteilung der Pflanzenarten beschäftigt. Nun wird der Begrünungseffekt infolge des Klimawandels in den Alpen deutlich, wie er bisher bereits in der Arktis gut dokumentiert wurde. Eine Verbräunung stellten die Forscher hingegen nur auf einem Prozent der untersuchten Fläche fest. Die Alpenhöhen werden grüner, weil Pflanzen dort neue Gebiete besiedeln und die Vegetation generell dichter und höher wird, erklären die Forscher. “Das Ausmaß der Veränderung ist dabei sehr deutlich”, betont Rumpf. In den Ergebnissen spiegelt sich auch wider, dass die Zunahme der pflanzlichen Biomasse vor allem auf veränderte Niederschläge und längere Vegetationsperioden infolge der steigenden Temperaturen zurückzuführen ist.





