Die Elfenbeinküste ist der weltgrößte Erzeuger von Kakao, ein Drittel des Schokoladen-Rohstoffs auf dem Weltmarkt kommt aus diesem westafrikanischen Land. Doch viele der älteren Plantagen im Land sind nicht mehr so produktiv. Pflanzenkrankheiten und Übernutzung senken den Ertrag. Als Folge suchen die Menschen nach neuen Flächen für den Kakaoanbau – und finden sie in den 23 Schutzgebieten des Landes.
Deprimierender Anblick
Wie eklatant illegale Kakaoplantagen und Siedlungen in den Schutzgebieten zugenommen haben, entdeckten Forscher um Scott McGraw von der Ohio State University, als sie diese Gebiete zwischen 2010 und 2013 systematisch abliefen. Eigentlich wollten sie dabei nur die Bestände von 16 Primatenarten in den Wäldern erfassen, doch überall stießen sie auf Rodungen und Spuren illegaler Aktivitäten.
Die Ergebnisse waren ebenso überraschend wie deprimierend, wie McGraw berichtet: “Es gibt Parks in der Elfenbeinküste, in denen es keinen Wald und keine Primaten mehr gibt – nur noch ein Meer von Kakaopflanzen.” In 20 der 23 Schutzgebiete stießen die Forscher auf illegale Kakaoplantagen und Siedlungen. Drei Viertel der Wälder in diesen Gebieten waren bereits durch Rodung, Farmen und andere menschliche Aktivitäten degradiert, wie sie berichten.
Affen sind verschwunden
Die Folgen für die Tierwelt sind fatal: In 13 der Schutzgebiete gibt es heute gar keine Primaten mehr, in weiteren fünf ist die Hälfte der Arten verschwunden. Für den Miss Waldrons Roten Stummelaffen (Piliocolobus badius waldronae) könnte das endgültige Aus bereits gekommen sein. Er galt seit 1978 als ausgestorben, dann jedoch gab es Hinweise darauf, dass einige Tiere in der Elfenbeinküste überlebt haben könnten. Doch von diesen fanden die Forscher nun keine Spur mehr.
Akut bedroht sind die Roloway-Meerkatze (Cercopithecus roloway) und die östliche Unterart der Rußmangabe (Cercocebus atys). Diese Affen sichteten die Forscher nur in zwei Schutzgebieten. “Die Roloway-Meerkatze könnte die nächste sein, die ausstirbt”, sagt McGraw. “Denn sie kann in den degradierten Habitaten, die in vielen dieser Schutzgebiete nur noch übrig sind, nicht überleben.”
Schutzmaßnahmen – Fehlanzeige
Nach Ansicht der Forscher ist eine Reihe von Faktoren für die eklatante Zunahme der illegalen Plantagen verantwortlich. Zum einen sorgt die steigende Nachfrage nach Kakao auf dem Weltmarkt dafür, dass sich die Anlage neuer Plantagen selbst in entlegenen Gebieten lohnt. Für viele Menschen in der Elfenbeinküste ist der Kakaoanbau zudem die einzige Möglichkeit, ihre Familie zu ernähren.





