Text: Johanna Zielinski
Bioqualität begegnet einem heutzutage überall. Als frische Variante im Gemüseregal, aber auch dort, wo man das Label erstmal nicht vermutet: in Kühlregal und Tiefkühltruhe. In herzhaften und süßen Varianten wird uns ein immer breiteres Sortiment an Bio-Fertigprodukten angeboten, die entweder direkt zum Verzehr geeignet sind oder lediglich erhitzt werden müssen.
Damit ist Bio endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen, auch bei den Nichtköchen und Keine-Zeit-Habern. Nicht umsonst spricht man auch „Convenience Food“, eine bequeme Art zu essen. Dessen Ruf ist, sagen wir mal, zweifelhaft. Als Goldstandard der gesunden Küche gilt frisch Gekochtes, da sind sich Ernährungswissenschaftler einig. Aber das lässt unser moderner Alltag nicht immer zu. Und so zeigt die Statistik, dass jene Gerichte im Trend sind, die der Verbraucher nur noch erwärmen muss – oder direkt, „on-the-go“, verzehren kann. Im Ernährungsreport 2021 zeigt sich sogar, dass 80 bis 90 Prozent aller in Deutschland konsumierten Lebensmittel verarbeitete Produkte sind, dazu zählt alles vom Tiefkühlgemüse bis zur Tütensuppe. Daran hat auch die Corona-Pandemie ihren Anteil: Im Zuge der Pandemie stieg der Verzehr von Convenience-Produkten an. Wohl fürs schnelle Mittagessen im Homeoffice oder als Vorrat aufgrund der längeren Haltbarkeit.
Auch Biokunden sind mal bequem
Der Biohandel entwickelte sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch. Große Biosupermärkte erreichen mit ihrem umfangreichen Angebot längst neue Kundenschichten, die ihre Einkaufsgewohnheiten fortführen möchten – inklusive Convenience-Produkte. Darauf stellt sich der Handel ein. Auch wenn solche Entwicklungen aus wirtschaftlicher Sicht eine Gratwanderung sind. Denn was auf manche Neukunden anziehend wirkt, kann Kunden der ersten Stunde gleichzeitig abschrecken. Die setzen oft auf möglichst unverarbeitete Nahrungsmittel.
Manche Unternehmen überlegen sich deshalb sehr genau, was sie ins Sortiment aufnehmen und was nicht. Alnatura etwa entschied sich in der Vergangenheit bewusst gegen manche Fertigprodukte. Isabell Kuhl ist für das Qualitätsmanagement verantwortlich. „Bei der Entwicklung und Überprüfung der Rezepturen wird Alnatura von einem unabhängigen Gremium an Expertinnen und Experten beraten“, erklärt sie die Abläufe. Dieser sogenannte „Arbeitskreis Qualität“ setzt sich unter anderem aus Ernährungswissenschaftlerinnen, Oecotrophologen und Lebensmittelingenieurinnen zusammen. Die Qualitätsstandards, die diese Runde ansetzt, sind hoch. So wurden etwa Mikrowellengerichte auf Anraten des Gremiums nicht ins Sortiment aufgenommen. „Denn oftmals werden diese Produkte in großen Plastikschalen oder -bechern vertrieben, was zum Beispiel gegen unsere kontinuierliche Verpackungsoptimierung spricht.“ Ein weiteres Beispiel seien Sahne-Ersatzprodukte, berichtet Kuhl. „Lange Zeit konnten Hersteller diese Produkte nur mit Carrageen herstellen.“ Dieser Zusatzstoff aus Rotalgen wird als pflanzliches Gelier- und Verdickungsmittel verwendet. „Er ist für die Verwendung in Biolebensmitteln zwar zugelassen, Alnatura hat sich allerdings von Anfang an dagegen entschieden. Denn die physiologische Wirkung von Carrageen ist nach derzeitigem Kenntnisstand umstritten: Obwohl es vom Körper nahezu unverändert ausgeschieden wird, konnte in Tierversuchen bei großen Aufnahmemengen eine Beeinflussung des Immunsystems nachgewiesen werden“, erläutert Kuhl. Aus diesem Grund dauerte die Entwicklung der eigenen Soja-, Hafer-, und Kokos-Cuisines mehrere Jahre. Grundsätzlich achtet das Unternehmen auf einen möglichst geringen Verarbeitungsgrad und schlanke Rezepturen. „Ganz nach dem Motto: Nur drin, was wirklich nötig ist.“





