„Wenn du ein wirklicher Wissenschaftler werden willst, denke wenigstens eine halbe Stunde am Tag das Gegenteil von dem, was deine Kollegen denken”, sagte Genie und Querdenker Albert Einstein. Kurt G. Blüchel folgt diesem Einstein’schen Motto, indem er die eingefahrenen Gleise der Wissenschaft immer wieder ins Kreuzfeuer seiner Kritik stellt, etwa wenn es um den Sinn und Nutzen von Tierversuchen geht. Denn der tierische Organismus verhalte sich in vielen Belangen völlig anders als der menschliche.
Blüchel hat bereits zahlreiche Sachbücher veröffentlicht – unter anderem „Das große Buch der Bionik” – und gilt seit Jahren als Experte für das Thema „Lernen von der Natur”. Um den konkreten Nutzen der Bionik, also die technische Anwendung der Biologie, geht es ihm in seinem neuen Buch nur am Rande – der Untertitel ist da irreführend. Dafür belegt er überzeugend, dass ein Großteil der Technik ihren Ursprung in Lebensvorgängen hat, also ganz natürlich ist. So geht etwa der Raketentreibstoff Wasserstoffperoxid auf den Bombardierkäfer zurück, der seine Angreifer mit dieser Substanz gezielt bespritzt. Auch viele C-Waffen sind aus dem Tierreich abgeschaut. Ein weiteres Beispiel sind Horchposten, die rund um den Globus errichtet werden, um per Infraschall Atomwaffentests aufzudecken – mit solchen Signalen verständigen sich Wale über Tausende von Kilometern.
Blüchels Buch wird jeden begeistern, der Wissenschaft mag, die über den Tellerrand schaut – die Bionik ist dafür „natürlich” bestens geeignet.
Kurt G. Blüchel BIONIK Wie wir die geheimen Baupläne der Natur nutzen können Bertelsmann München 2005 415 S., € 21,90 ISBN 3-570-00850-9
Janine Drexler





