Über neun Milliarden Menschen werden im Jahr 2050 die Erde bewohnen. Schon heute hungert eine Milliarde. Wie kann sich die Welt morgen ernähren?
Sie kaufen nur im Bioladen? Oder greifen lieber beim Discounter zur günstigsten Ware? Fest steht: Die Argumente prallen beim Thema Lebensmittel heftig aufeinander. Bio ist besser für die Umwelt, sagen die einen. Nur Hochleistungslandwirtschaft kann die Welt ernähren, behaupten die anderen. Wer hat recht? bild der wissenschaft stellt zentrale Positionen beider Lager gegenüber (ab Seite 28 die der Ökobauern, ab Seite 32 die der konventionellen Landwirtschaft). Der Vergleich löst manchen Konflikt nicht auf, sondern er zeigt: Landwirtschaft muss in Zukunft auf vielen Gebieten besser werden, wenn es darum geht, die Ernährung zu sichern und zugleich Böden, Klima und Biodiversität zu schützen. Eine Lösung für alles wird es nicht geben.
Technischer und züchterischer Fortschritt hat die Produktivität der konventionellen Landwirtschaft seit Jahrzehnten erhöht: Ein Pionier war der im September 2009 mit 95 Jahren verstorbene US-Amerikaner Norman Borlaug. Ab 1944 züchtete der Agrar- forscher die ersten pilzresistenten und ertragreicheren Weizen- und bald auch Reis-Sorten. Mit seinen Methoden, unterstützt von Geldern der Weltbank und der Rockefeller- Stiftung, begann in den 1960er-Jahren die sogenannte Grüne Revolution. Sie ließ Millionen Menschen satt werden und brachte Borlaug 1970 den Friedensnobelpreis ein.
Diesen Erfolg hat sich die konventionelle Landwirtschaft erkauft mit einer starken Abhängigkeit von Mineraldünger und Pestiziden sowie von einem stetigen Nachschub neuer Hochleistungssorten aus den Züchtungslabors. Zugleich sind die Folgen für die Umwelt unübersehbar. Intensiv-Landwirtschaft mit öden, ausgeräumten Landschaften ist weltweit eine der wichtigsten Ursachen für den Verlust an Artenvielfalt und lebenswichtigen Ressourcen. Ein Beispiel: Zwischen 1965 und 1970 stiegen die Weizenerträge in Indien und Pakistan um 60 Prozent – beide Länder wurden Selbstversorger. Doch die für den Bewässerungsanbau gegrabenen Brunnen ziehen heute in Nordwestindien über die Hälfte mehr Grundwasser aus dem Boden, als sich nachbilden kann. Borlaug selbst forderte in den letzten Jahren wiederholt, dass Landwirtschaft nachhaltiger betrieben werden müsse. Aber wie? Biologische Landwirtschaft hat den Anspruch, ohne Chemie und Gentechnik mit den natürlichen Kreisläufen zu arbeiten. Kann sie helfen? Manche Hochrechnungen sehen für sie gerade in armen Ländern ein großes Potenzial.
Eine Anmerkung zu den konträren Positionen auf den Folgeseiten: Dass Experten in einem der beiden Texte zitiert werden, bedeutet nicht, dass sie ausschließlich Verfechter der jeweiligen Form von Landwirtschaft sind. Schließlich sind sie Wissenschaftler, keine Glaubenskrieger.
von Bernhard Epping
WirD DAS LAND KNAPP?
Global gesehen gibt es zwar noch ungenutzte Landflächen (grün). Doch in einigen Regionen wird fast alles nutzbare Land bereits bestellt oder von Viehherden beweidet (braun). Nicht berücksichtigt sind Gebiete, die man künstlich bewässern müsste. Zu bedenken ist jedoch, dass ein Großteil des hier als nutzbar ausgewiesenen Landes ökologisch wertvolle Wälder oder geschützte Ökosysteme sind. Die Karte basiert auf einer Untersuchung der „ Food and Agriculture Organization” (FAO) der UN.





