Dicke, sperrige Tabletten oder klebrige Säfte: Wer heute ein Antibiotikum einnehmen muss, ist auf wenig appetitliche Darreichungsformen angewiesen. Das war bei den Nubiern, die von 350 bis 550 nach Christus im Gebiet des heutigen Sudan lebten, ganz anders. Bei ihnen wurden Antibiotika, genauer gesagt: der Wirkstoff Tetracyclin, regelmäßig per Biertherapie verabreicht. Vermutlich nutzten sie für die Fermentation beim Brauprozess gezielt eine Bakterienmischung, die unter anderem Mikroben der Gattung Streptomyces enthielt – und die produzieren fleißig Tetra- cyclin. In den Genuss des medizinischen Bieres kamen übrigens nicht nur Erwachsene, sondern auch kleine Kinder. Ob eine derartig breite Anwendung zu ähnlichen Problemen mit resistenten Bakterien führte, wie sie heute auftreten, ist nicht bekannt.





