Honigbienen haben es schwer: Imker beobachten, dass in den letzten Jahren immer mehr Bienenvölker zugrunde gehen. Neben Pestiziden und mangelndem Futter durch landwirtschaftliche Monokulturen führen Forscher dies vor allem auf den Befall mit der parasitischen Varroamilbe zurück. Diese vor Jahrzehnten aus Asien eingeschleppten Milben saugen das Blut von Bienenlarven, Puppen und Erwachsenen und schwächen ihre Abwehr. Hinzu kommt, dass die Parasiten oft Krankheitserreger übertragen, darunter das tödliche Flügeldeformationsvirus, aber auch andere Viren. Studien deuten darauf hin, dass sowohl die Milben wie auch die von ihnen übertragenen Erreger zwischen verschiedenen Bienenarten und auch zwischen verschiedenen Stöcken von Honigbienen verbreitet werden. Wie genau dies jedoch vonstattengeht und welche Rolle dafür möglicherweise Verhaltensänderungen infizierter und kranker Bienen spielen, war bislang unbekannt.
Social Distancing im Bienenstock
Das haben nun Amy Geffre von der Iowa State University in Ames und ihre Kollegen näher untersucht. Dafür nutzten sie ein automatisiertes System, mit dem sie die Bewegungen und das Verhalten von mehr als 900 individuell mit einem QR-Code markierten Honigbienen in drei Bienenstöcken kontinuierlich verfolgen und auswerten konnten. Im ersten Experiment infizierten die Forscher einige dieser Bienen mit einem nicht krankmachenden, aber die Immunabwehr stimulierenden DNA-Fragment oder aber mit dem Israeli Acute Paralysis Virus (IAPV). Dieses von der Varroamilbe übertragene Virus steht im Verdacht, in den USA entscheidend am Koloniesterben beteiligt zu sein. Anschließend beobachteten sie, ob sich das Verhalten der Bienen im Stock veränderte.
Es zeigte sich: Die Reaktion der gesunden Honigbienen im Stock veränderte sich sowohl gegenüber den mit dem Virus infizierten Bienen als auch den nur immunstimulierten Tieren. Zwar wurden die betroffenen Bienen nach wie vor intensiv mit den Antennen abgetastet, aber die sogenannte Trophallaxis – die gegenseitige Fütterung mit flüssiger Nahrung – blieb weitgehend aus. “Honigbienen nutzen die Trophallaxis um Nahrung miteinander zu teilen, aber auch Hormone und andere Signalmoleküle”, erklärt Co-Autor Gene Robinson von der University of Illinois in Urbana-Champaign. “Dieser Austausch geschieht durch paarweise Berührung der Mundteile und Antennen und jede Biene macht dies mit hunderten von Partnern am Tag.” Doch wie das Experiment belegte, erkennen die Bienen offenbar, wenn eine Artgenossin mit einem Erreger kämpft oder ihr Immunsystem aktiviert ist – und meiden ihn. “Wir denken, dass diese Verringerung der Trophallaxis ein adaptiver soziale Mechanismus ist, um eine Pathogen-Übertragung durch physischen Kontakt im Bienenstock zu reduzieren”, sagen die Forscher. Da diese Vermeidungsreaktion sowohl gegenüber den mit IAPV infizierten Bienen auftrat als auch gegenüber den nur immunstimulierten, ist diese Reaktion offenbar unspezifisch, wie die Wissenschaftler erklären.





