Obwohl Honigbienen nur ein winziges Gehirn haben, weisen sie außergewöhnliche kognitive Fähigkeiten auf: Sie leben in komplexen Sozialstrukturen, verständigen sich auf ausgefeilte Weise und sind enorm lernfähig. Früheren Studien zufolge sind sie sogar in der Lage, Zahlen zu unterscheiden und Rechenaufgaben zu lösen. Auch die Aufgabe, sich bei der Futtersuche für die vielversprechendsten Blüten zu entscheiden, ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Wie die Bienen damit umgehen, haben nun Forscher um HaDi MaBouDi von der University of Sheffield untersucht.
Farbige Scheiben mit Belohnung
Dazu präsentierten sie Bienen bunte Scheiben in fünf verschiedenen Farben. Je nach Farbe enthielten die Scheiben unterschiedlich häufig einen Tropfen Zuckerwasser als Belohnung oder einen Tropfen einer bitteren Flüssigkeit, die für die futtersuchenden Bienen unangenehm ist. Die Forscher gaben den Bienen in einer Trainingsphase nun die Gelegenheit, die Belohnungswahrscheinlichkeiten der jeweiligen Farben kennenzulernen. Dazu ließen sie sie jeweils zwei Farben mit unterschiedlicher Erfolgsquote gleichzeitig erkunden. Wie würden die Bienen vorgehen? Eine Möglichkeit wäre, ausschließlich die Farbe mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit zu wählen. Dafür müssten die Bienen die Farben auf Basis ihrer Erfahrungen vergleichen und in eine Rangfolge bringen. Die andere Möglichkeit wäre, die vielversprechendste Farbe zwar am häufigsten zu wählen, aber auch andere Farben weiterhin anzufliegen. In diesem Fall bräuchten die Bienen die verschiedenen Farben nicht miteinander zu vergleichen, sondern müssten sich für jede Farbe die Erfolgswahrscheinlichkeit merken.
Tatsächlich zeigen die Ergebnisse von MaBouDi und seinen Kollegen, dass Bienen die zweite Strategie verfolgen. Das galt sowohl für Farbkombinationen, die die Insekten bereits aus dem Training kannten, als auch für Farben, die die Bienen im Training nur in Kombination mit anderen Farben, nicht aber miteinander erlebt hatten. Die Forscher schließen daraus, dass die Bienen kein mentales Ranking der Farben erstellen, sondern lediglich auf Grund der Wahrscheinlichkeit für jede einzelne Farbe bewerten, wie hoch die Chance auf eine Belohnung ist. Diese Strategie gilt als kognitiv weniger aufwendig. Je nach Kontext kann sie jedoch bessere Ergebnisse liefern.
Sind die Wahrscheinlichkeiten von vornherein bekannt und unveränderlich, ist es am erfolgversprechendsten, immer die Blütenart zu wählen, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eine Belohnung bereithält. Anders sieht es aus, wenn erst während des Sammelprozesses erkundet werden muss, welche Option besonders häufig zum Erfolg führt. Genau das ist bei Honigbienen der Fall. Für sie ist es also sinnvoll, das Sammeln an besonders vielversprechenden Blüten mit der Erforschung neuer Quellen zu kombinieren.





