Text: Kurt de Swaaf
Nein, der Weg nach Oberrähne verläuft nicht durch ein Zeitportal, aber man könnte es fast glauben. Die schmale Piste, anfangs gesäumt von knorrigen alten Eschen, scheint einen tatsächlich weit zurück ins 20. Jahrhundert zu führen. Und dafür braucht es nur einen kleinen Spaziergang. Schon nach wenigen Metern liegt links eine Marschweide. Im feuchten Gras lungern einige äußerst entspannt wirkende Kühe herum, direkt neben ihnen steht ein Trupp Gänse. Auch der angrenzende Poldergraben wirkt auffällig unmodern, mit struppigem Uferbewuchs und einer matschigen Bucht, wo das Vieh trinkt. Im Wasser tummeln sich kleine Käfer. Weiter in Richtung Wriezener Alte Oder öffnet sich die Landschaft dann komplett. Wiesen und Felder sind gespickt mit einzelnen Bäumen und Weidengebüsch, darüber ziehen Schäfchenwolken. Aus der Ferne schallen Kranichrufe herbei, während hinter dem Betrachter der Kirchturm von Bralitz in den hellblauen Himmel ragt. Die ganze Szenerie mutet seltsam historisch an, fremd und zugleich vage vertraut – wie ein altes Familienfoto. Doch rückständig ist dieses Gebiet, nur 55 Kilometer vom Berliner Stadtzentrum entfernt, gewiss nicht. Im Gegenteil.





