„Gorillas im Nebel“ – der Film über die Geschichte der Verhaltensforscherin Dian Fossey hat unsere tierischen Verwandten in Ostafrika berühmt gemacht. Bei den Berggorillas (Gorilla beringei beringei) handelt es sich um eine Unterart der Menschenaffen, die im Gegensatz zu den Flachlandgorillas nur ein kleines Verbreitungsgebiet im Grenzbereich von Kongo, Ruanda und Uganda bewohnen. Trotz intensiver Schutzbemühungen sind sie nach wie vor vom Aussterben bedroht – ihr Bestand wird auf etwa 1000 Individuen geschätzt. Ein Teil der Berggorillas lebt dabei im Volcanoes National Park in Ruanda. Dort kann man die friedlichen Menschenaffen „fast hautnah“ erleben – Besucher werden zu ihren Gruppen geführt. Die kaum menschenscheuen Tiere tolerieren dabei eine Annäherung bis auf wenige Meter.
Gorilla-Tourismus: Segen und Fluch zugleich
Der Tourismus ist für die Berggorillas dabei ein zweischneidiges Schwert: Die lukrative Einnahmequelle fördert ihren Schutz und die Wertschätzung in der lokalen Bevölkerung. Doch die kleine Population ist durch die Nähe des Menschen auch einer großen Gefahr ausgesetzt: Da Gorillas nah mit uns verwandt sind, können wir sie mit vielen unserer Infektionskrankheiten anstecken. Einige Erreger können bei den Tieren dabei deutlich schlimmere Folgen haben als beim Menschen. Aus diesem Grund gelten schon lange Schutzvorschriften: Touristen sollen Abstand zu den Tieren halten, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden.
Speziell besorgt waren die Tierschützer nun in der Corona-Pandemie: Es bestand die Gefahr, dass Touristen oder Betreuer Sars-CoV-2 auf die Gorillas übertragen und es anschließend zu einer Pandemie in der Population kommt. Denn aus Fällen in Zoos ist grundsätzlich bekannt, dass Gorillas an Covid-19 erkranken können. So wurden in den letzten zwei Jahren die Schutzmaßnahmen im Volcanoes National Park verschärft: Nachdem zunächst der Tourismusbetrieb ausgesetzt wurde, mussten anschließend bei allen Besuchen der Gorillas Masken getragen werden und der Mindestabstand wurde auf zehn Meter erhöht.
Nun berichten Kirsten Gilardi von der University of California in Davis und Prosper Uwingeli vom Volcanoes National Park, wie sich der Gesundheitszustand der Gorillas seit Pandemiebeginn entwickelt hat. Die grundlegend erfreuliche Nachricht ist dabei, dass Sars-CoV-2 bisher offenbar nicht auf die Tiere übertragen wurde: Alle Untersuchungen von Gorillas mit Anzeichen einer Atemwegserkrankung fielen negativ aus. Doch nicht nur das. Es zeichnete sich ein positiver Trend bei der Gesundheit der Tiere ab – es gab insgesamt weniger Infektionen.
Weniger Ausbrüche von Atemwegserkrankungen
Wie die University of California in Davis berichtet, zeigten die Daten der Jahre zuvor, dass Atemwegserkrankungen für die Tiere sehr problematisch sind: Die Infektionen stellen die zweithäufigste Todesursache bei den Berggorillas dar. In den fünf Jahren vor dem März 2020 gab es in der Population des Volcanoes-Nationalparks dabei durchschnittlich 5,4 Ausbrüche von Atemwegserkrankungen in Gorillafamiliengruppen pro Jahr. Wie sich nun zeigte, hat sich dies vom März 2020 bis Dezember 2021 auffallend gewandelt: Es kam in der Population nur noch zu durchschnittlich 1,6 Ausbrüchen von Atemwegserkrankungen pro Jahr.





