“Das Hebammen-Modell basiert auf der Annahme, dass Schwangerschaft und Geburt ganz natürliche Lebensereignisse sind”, erklären Jane Sandall vom King’s College London und ihre Kollegen von der Cochrane Pregnancy and Childbirth Group. Es gehe davon aus, dass die Mehrheit aller Frauen ihre Kinder ohne medizinische Hilfe zur Welt bringen können. Welche Risiken, Vorteile und auch Kosten eine Hebammengeburt gegenüber der klassischen Betreuung durch mehrere Zuständige habe, sei aber nach wie vor umstritten. Deshalb haben die Forscher dies nun in einer Meta-Analyse überprüft. Sie werteten dafür 13 Studien aus fünf Ländern – Australien, Kanada, Irland, Neuseeland und Großbritannien – mit insgesamt 16.242 Müttern aus. In diesen Untersuchungen wurden jeweils verschiedene Betreuungsmodelle während Schwangerschaft und Geburt verglichen. Acht Studien umfassten nur Frauen ohne erhöhtes Risiko für Komplikationen, bei den fünf restlichen nahmen auch Schwangere teil, die beispielsweise schon älter oder gesundheitlich vorbelastet waren und deren Komplikationsrisiko daher höher war.
Weniger Eingriffe und weniger Fehlgeburten
Die Auswertungen ergaben tatsächlich signifikante Unterschiede: “Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass Frauen mit Hebammen-geführter Betreuung weniger medizinische Interventionen erhalten müssen”, berichten Sandall und ihre Kollegen. Bei diesen Geburten wurde seltener ein Dammschnitt gemacht, auch Zangen und andere Hilfsmittel kamen seltener zum Einsatz. Eine örtliche Betäubung wurde ebenfalls weniger häufig eingesetzt. Zwar dauerten die Wehen im Durchschnitt eine halbe Stunde länger als bei einer vom Klinikpersonal betreuten, dafür aber war der Anteil der spontanen Geburten ohne pharmakologische oder instrumentelle Nachhilfe höher, wie die Forscher berichten. Ein Kaiserschnitt wegen Komplikationen bei der Geburt sei in allen Betreuungsmodellen gleich häufig nötig gewesen.
Und noch wichtiger: Bei Frauen, die von Hebammen betreut und entbunden wurden, kamen Frühgeburten und Totgeburten vor der 24. Schwangerschaftswoche deutlich seltener vor. “Es spricht einiges dafür, dass das Modell der Hebammenbetreuung das Risiko für eine Tot- oder Frühgeburt um 16 Prozent verringert”, schreiben Sandall und ihre Kollegen. Warum, gehe allerdings aus diesem Studiendesign nicht hervor und müsse noch näher untersucht werden. Die Unterschiede seien aber sowohl bei Geburten in einem Geburtshaus als auch im Kreissaal zu beobachten gewesen. Zumindest einige der Studien deuteten zudem darauf hin, dass die werdenden Mütter beim Hebammenmodell zufriedener waren und sich besser aufgehoben fühlten.
Nach Ansicht der Wissenschaftler spricht ihr Ergebnis sehr dafür, schwangeren Frauen die Option der Hebammenbetreuung zumindest anzubieten – vor allem in den Ländern, in denen diese noch nicht etabliert ist. “Frauen sollten dazu ermutigt werden, nach dieser Möglichkeit zu fragen”, so Sandall. Nur bei Frauen mit substanziellen allgemeinmedizinischen oder gynäkologischen Komplikationen sei Vorsicht geboten, hier seien die Studienergebnisse nicht ohne weiteres anwendbar, betonen die Forscher.





