Der Perito Moreno ist ein riesiger Gletscher, dessen Eis sich über 30 Kilometer Länge durch Patagonien zieht – vom Südpatagonischen Eisfeld in den Anden auf 2850 Metern Höhe bis zum Lago Argentino auf 190 Metern, dem größten See Argentiniens. Der bei Touristen beliebte und weltberühmte Gletscher zählt seit 1981 zum UNESCO Welterbe. Im Gegensatz zu vielen benachbarten Eisfeldern und Gletschern in Patagonien schien ihm der Klimawandel bisher nur wenig auszumachen. Zwischen 2000 und 2019 hat sich seine Gletscherfront weniger als 100 Meter weit zurückgezogen. Doch seither hat sich die Schmelzrate des Perito Moreno augenscheinlich deutlich erhöht.

Perito Moreno schmilzt 16-Mal schneller als noch vor wenigen Jahren
Wie stark der Gletscher zuletzt wirklich an Eis verloren hat und warum, haben nun Forschende um Moritz Koch von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersucht. Dafür flogen sie mit Helikoptern über den Perito Moreno und vermaßen per Radar dessen Dicke und die Topografie des Gesteins darunter. Ebenso kartierten sie die Ausläufer des Sees an der Front des Eisstroms. Zusätzlich werteten sie Satellitendaten aus den Jahren 2000 bis 2024 aus, um die Entwicklung seiner Oberfläche und Fließgeschwindigkeit zu ermitteln.
Das Ergebnis: Zwischen 2000 und 2019 wurde der Gletscher an seinem unteren Ende um nur 34 Zentimeter pro Jahr dünner. Zwischen 2019 und 2024 verlor der Eisstrom dort jedoch jährlich 5,50 Meter an Eisdicke – mehr als 16-Mal so viel wie in den Jahrzehnten zuvor. An einigen Stellen des Gletscherendes ist die Eisschmelze besonders ausgeprägt. Bis zu 800 Meter ist der Perito Moreno an diesen Zungenspitzen seit 2019 geschrumpft und hat sich zurückgezogen.
Doch was steckt hinter diesem Umschwung? Warum schmilzt der Gletscher nun schneller als früher und was hat ihn bislang stabilisiert? Zum einen sind durch die Erderwärmung die Lufttemperaturen in Patagonien gestiegenen und beschleunigen generell die dortige Eisschmelze, wie Koch und seine Kollegen erklären. Wie ihre Daten enthüllten, stützten zudem Moränen – abgelagerte Schutthaufen am Seeboden – die Gletscherzungen lange ab und bremsten die Durchmischung des kalten Schmelzwassers mit dem wärmeren Seewasser. Doch dieser direkte Eis-Gestein-Kontakt existiert seit einigen Jahren nicht mehr, wie Koch und sein Team herausfanden. Stattdessen ist die Gletscherzunge nun komplett dem wärmeren Seewasser ausgesetzt, was ihr Schmelzen zusätzlich beschleunigt.






