Der Steinbruch in Gronau gilt unter Paläontologen als Schatzgrube für die Erforschung der Urzeit. Dort förderten sie Fischfossilien, Schildkrötenreste, Hai- und Krokodilzähne zutage. “In derselben Grube hatte Theodor Wegner zwei Jahre zuvor einen anderen Saurier gefunden”, erzählt Bertling. Wirbeltier-Experte Wegner habe den ersten Fund als eigene Art bestimmt und ihn nach dem bekannten deutschen Paläontologen Wilhelm von Branca benannt: Brancasaurus brancai.
Der gleiche Fundort und die Ähnlichkeit der Knochen führten zu der Annahme, dass es sich bei dem zweiten Saurier um dieselbe Gattung handelt. So blieb die wahre Identität des Gronausaurus im Verborgenen. Als Brancasaurus schmückte er die Ausstellung – bis das Museum im Jahr 2007 wegen Sanierung geschlossen wurde und der Saurier im Depot verschwand.
Oliver Hampe sagt, dass schon Entdecker Wegner in seinen Aufzeichnungen bezweifelt hatte, dass es sich um die Überreste eines Brancasaurus handelt. So beschloss Hampe, den eingemotteten Zeugen der Urzeit genau unter die Lupe zu nehmen. Hampe schließt aus der Form der Wirbel, dass der Gronausaurus über eine starke Rückenmuskulatur verfügte und besonders gut durchs Wasser manövrieren konnte. “Er war ein Unterwasser-Flieger”, sagt Hampe. Der Gronausaurus lebte zur frühen Kreidezeit vor 137 Millionen Jahren in küstennahen Gewässern, etwa einem Fluss-Delta. Das verraten die Ablagerungen an den Knochen. Das Tier war vermutlich drei bis dreieinhalb Meter lang.
Die späte Entdeckung ist nicht ungewöhnlich. Der britische Paläontologe Michael J. Benton schätzt, dass die Gesamtzahl aller Dinosaurier-Gattungen bei rund 1800 liegt. Davon wurde bislang rund ein Drittel wissenschaftlich bestimmt.
Lesen Sie den ausführlichen Bericht im Online-Magazin iley.de
Michael Billig arbeitet als freier Journalist in Münster und ist einer der Herausgeber von iley.de Für natur hat er bisher zwei Geschichten geschrieben: über Fracking und über eine Frau, die 30 Jahre lang gegen eine Gift-Mülldeponie gekämpft hat – am Ende mit Erfolg.





