Bei Verlust eines Sinnes verstärkt sich die Wahrnehmung über die anderen Sinne. Das eine solche Verbesserung aber bereits nach 90 Minuten stattfinden kann, fanden nun italienische Forscher heraus. Sie untersuchten, wie sich der Tastsinn bei Personen veränderte, die einige Zeit im Dunkeln verbrachten. Die Studie erscheint im Fachmagazin “Neurology”( Ausgabe 60, Heft 12).
Die Wissenschaftler um Salvatore Aglioto von der Universität Rom untersuchten den Tastsinn von 28 Personen. Dazu verbanden sie ihnen die Augen und drückten ihnen acht verschiedene Plastikplättchen auf die Fingerspitze. Die Testpersonen mussten daraufhin die Orientierung dieser Plättchen bestimmen. Das Experiment wurde nach einer Pause von anderthalb Stunden wiederholt. Während dieser Pause trugen 14 Teilnehmer eine lichtundurchlässige Maske.
Personen, die 90 Minuten im Dunkeln verbracht hatten, konnten im anschließenden Test die Orientierung der Plättchen besser ertasten als die Kontrollgruppe. Die Forscher schließen daraus, dass der Wegfall eines Sinnes den Körper dazu veranlasst, seine Ressourcen in relativ kurzer Zeit einem anderen Sinn zur Verfügung zu stellen.
Ob jemand diese Verschiebung in der Wahrnehmung aber als positiv oder negativ einstuft, ist individuell verschieden. Manche Leute ziehen es vor, sich bei ihren Empfindungen nicht nur auf Berührungen zu verlassen. Solche Unterschiede in den Vorlieben erlaubten es jedoch laut Aglioto nicht, irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen.
ddp/bdw ? Christine Harbig





