Das Liebesglück ist kürzer, als die meisten ahnen. Nach Angaben in einschlägiger Fachliteratur, die oft auf subjektiven Schätzungen von Männern beruhen, soll ein Koitus vier bis zwölf Minuten dauern. Die Zahlen liegen weit neben der Realität, berichten Kölner Urologen, die das Geschehen unter der Bettdecke mit einer Stoppuhr verfolgt haben.
Eines ihrer Beobachtungen ist, dass Männer und Frauen die Dauer eines Koitus sehr unterschiedlich empfinden. Was in Wirklichkeit zwei Minuten und 50 Sekunden dauerte, empfanden die Männer als vier Minuten und 31 Sekunden. Frauen wähnten sich sogar über fünfeinhalb Minuten im Liebesglück, schreibt die Ärzte-Zeitung in ihrer Internet-Ausgabe.
Mit der angeblich erstmalig in dieser Weise durchgeführten Untersuchung wollten die Urologen die Stichhaltigkeit von Angaben ihrer Patienten überprüfen, die über einen vorzeitigen Samenerguß klagten. Sie haben dazu 45 Frauen mit Stoppuhren ausgerüstet, um die Koitusdauer ihrer Männer zu prüfen. Ein Drittel der so getesteten Männer klagte über vorzeitigen Samenerguß, dem so genannten “Ejaculatio Praecox”, ein Drittel hatte ein normales Sexualleben und ein Drittel der Probanden bestand aus Urologen.
Das Ergebnis: Bei Patienten mit Ejaculatio praecox dauerte der Koitus im Mittel zwei Minuten und 32 Sekunden. Bei gesunden Versuchspersonen dauerte er weniger als eine halbe Minute länger. Am längsten brauchten jedoch Urologen: Ganze sechs Minuten vergingen bei ihnen zwischen dem Eindringen des Penis und dem Samenerguß.
Der Leiter der Studie, Frank Sommer von der Universitätsklinik in Köln, schließt daraus, dass die reine Dauer des Geschlechtsverkehrs nicht das eigentliche Leiden der Patienten sei: “Faktoren wie die Erwartungshaltung der Partnerin und eine fehlende Körperkontrolle haben eine wichtigere Bedeutung.”
Andreas Wawrzinek





