Der Mensch ist nicht das einzige Lebewesen, das sich für die Überreste ausgestorbener Schnecken und Muscheln interessiert: Einsiedlerkrebse, die normalerweise leere Schneckenhäuser im modernen Baustil bevorzugen, greifen in Zeiten von Wohnungsnot auch auf fossile Unterkünfte zurück. Über diese Beobachtung berichtet der irische Wissenschaftler David Barnes von der University of Cork im Fachjournal Nature .
Wie alle Einsiedlerkrebse nutzt auch der an der Kalksteinküste im Südwesten Madagaskars lebende Coenobita rugosus leere Schneckenschalen als Behausung. Damit schützt er sich, genauer gesagt sein weiches Hinterteil, vor Fressfeinden. Mit zunehmender Körpergröße wird aber ein einmal bezogenes Gehäuse bald wieder zu klein, so dass er häufig auf Wohnungssuche ist.
Sinkt das Angebot an passenden Weichtierschalen unter neun Prozent aller am Standort vorhandenen Gehäuse, macht er sich auch fossile Schneckenhäuser zunutze, die aus dem Kalkstein der Küste an den Strand gespült werden. Ein Prozent der leer stehenden Wohnmöglichkeiten sind fossilen Ursprungs, aber nur 0,3 Prozent der Krebse ziehen dort ein. Nach den Untersuchungen von Barnes liegt das unter anderem daran, dass Größe und Raumaufteilung der fossilen Schalen meist nicht den Wohnbedürfnissen der Einsiedlerkrebse entsprechen. Altbauwohnungen werden nur dann genommen, wenn nichts Modernes mehr zu haben ist.
Die Bewohner der Küstengebiete, die Schnecken und Muscheln für den Kochtopf sammeln, lassen die Schalen der Tiere am Strand zurück. Damit leisten sie einen Beitrag zur Entspannung auf dem engen Wohnungsmarkt für Einsiedlerkrebse ? und vermindern die Konkurrenz für die Fossilien suchenden Menschen.
Joachim Czichos





