Ein deutsch-britisches Forscherteam hat einen neuen Ansatz für die Behandlung der Hautkrankheit Schuppenflechte gefunden: Durch die Hemmung eines Schlüsselenzyms gelang es den Wissenschaftlern, die übermäßige Teilungsgeschwindigkeit der betroffenen Hautzellen auf ein Normalmaß zu reduzieren. In den Zellkulturexperimenten fanden die Wissenschaftler um Christina Siemes von der Universität Bonn außerdem keinerlei schädigende Effekte der Wirkstoffe. Das berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Journal of Investigative Dermatology (Bd. 123, S. 556).
Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, ist eine Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem der Betroffenen greift permanent die eigene Haut an und verursacht so eine chronische Entzündung. Darauf reagieren die so genannten Keratinozyten, die sich an der Grenze zwischen der Oberhaut und der tiefer liegenden Lederhaut befinden, mit einer stark erhöhten Teilungsaktivität. Während sich die Oberhaut normalerweise innerhalb von etwa vier Wochen einmal erneuert, braucht sie bei Psoriasis-Patienten nur etwa vier bis sieben Tage dazu. Wegen dieser beschleunigten Nachschub-Produktion kann sich die Oberhaut nicht ausreichend abnutzen, und es bilden sich die typischen Schuppen.
Um die beschleunigte Teilungsrate zu verlangsamen, verhinderten Siemes und ihre Kollegen die Produktion eines Proteins namens sAPP. Dieses Eiweißmolekül ist eine der Schlüsselsubstanzen, die die Keratinozyten zur Teilung anregen. Es entsteht, wenn ein bestimmtes Enzym wie eine molekulare Schere ein größeres Vorgängermolekül zerschneidet. Genau dieses Enzym blockierten die Wissenschaftler ? mit durchschlagendem Erfolg: Bereits 24 Stunden nach der Zugabe des Hemmstoffs ging die Teilungsrate kultivierter Hautzellen von Psoriasis-Patienten um 50 bis 60 Prozent zurück. Die Forscher wollen ihr Verfahren als nächstes an Nacktmäusen testen. Sie sind jedoch zuversichtlich, dass der neue Ansatz auch schon sehr bald klinische Studien beim Menschen folgen werden.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





