Eine Fehlfunktion der “inneren Uhr” des Menschen ist der Grund für das Auftreten der seltenen, aber extrem schmerzhaften Cluster-Kopfschmerzen. Dies haben Mediziner der Neurologischen Klinik der Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit britischen Kollegen in einer Serie von Studien nachgewiesen.
Untersuchungen mit der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigten, dass bei Cluster-Patienten während eines Anfalls bestimmte Strukturen im Hypothalamus, einem kleinen Bereich des Zwischenhirns, besonders aktiv sind. Außerhalb dieser aktiven Phasen gelang es den Wissenschaftlern nicht, bei den Patienten eine künstliche Cluster-Attacke herbeizuführen.
Im Hypothalamus, Sitz der “inneren Uhr”, wird der biologische Rhythmus des Körpers geregelt, wie beispielsweise Schlaf- und Wachzeiten. Wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) berichtet, galten bislang entzündete erweiterte Blutgefäßen im Gehirn als Ursache für die starken Kopfschmerzen.
Doch das extrem rhythmische Auftreten der Anfälle – mehrwöchige Phasen mit bis zu acht Attacken am Tag wechseln mit schmerzfreien Zeiten ab – machte die Forscher stutzig. Weitere Untersuchungen mit der Magnetresonanz-Angiographie (MRA) zeigten, dass die erweiterten Blutgefäße offensichtlich nur eine Begleiterscheinung bei Kopfschmerzen sind. “Wir gehen davon aus, dass der Cluster-Kopfschmerz ursächlich durch eine Fehlfunktion der ‘inneren Uhr’ im Gehirn verursacht wird und die Gefäßveränderungen nur eine Folge dieser Störung sind”, erklärt Arne May von der Neurologischen Klinik der Universität Regensburg.
Cluster-Kopfschmerzen kommen bei Männern häufiger vor als bei Frauen. Vier von 10.000 Menschen sind davon betroffen. Der Schmerz “sitzt” hinter einem Auge und tritt häufig im Frühjahr und Herbst auf. Die Attacken können 15 Minuten bis drei Stunden andauern. Übliche Kopfschmerzmittel bringen keine Linderung, da sie nicht schnell genug wirken. Bei rund 70 Prozent der Patienten hilft reiner Sauerstoff, über eine Maske eingeatmet. Spitzen mit dem Antimigräne-Mittel Sumatripan helfen ebenfalls gegen den Schmerz.
Almut Bruschke-Reimer





