Angustopila psammion – so heißt die kleinste bisher bekannte Landschnecke der Welt. Ihr Gehäuse ist nur rund 0,48 Millimeter hoch und 0,6 Millimeter lang. So klein wie ein Sandkorn und für das menschliche Auge kaum zu erkennen. Der Gedanke liegt jedoch nahe, dass wir längst noch nicht alle winzigen Landschnecken kennen, die auf der Welt zu finden sind. Bislang sind zwölf Geschwisterarten von Angustopila psammion bekannt, doch wie viel Verwandtschaft hat der Winzling tatsächlich?
Über 200 Höhlen „durchsiebt“
Auf der Suche nach neuen Mikroschnecken-Arten hat ein internationales Forschungsteam um Barna Páll-Gergely vom Zentrum für Agrarforschung in Budapest insgesamt 223 Höhlen in China, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam durchkämmt. Die gesammelten Bodenproben wurden durch ein großes Metallsieb und einen Nylonstrumpf gesiebt. Anschließend sortierten die Forschenden die getrockneten Proben unter dem Stereomikroskop, um die winzigen Schneckenhäuser zu finden. In wenigen Fällen konnten sie auch vor Ort lebende Schnecken durch gezieltes Aufpicken mit einer feinen Pinzette sammeln.
Die mühsame Suche hat sich gelohnt: „Bei unserer umfangreichen Arbeit wurden fünfmal mehr Arten entdeckt als wir vermutet hätten“, berichtet Páll-Gergelys Kollegin Adrienne Jochum. Insgesamt gelang es den Forschenden, 42 neue Arten aus der Schneckengattung Angustopila zu beschreiben. Sie sind damit enge Verwandte der bisher schon bekannten Mikro-Landschnecken. Die Analysen führten außerdem zu einigen Korrekturen bei der Benennung und Einordnung der bisher bekannten Arten. Alles in allem umfasst die Gattung Angustopila nun 53 Mikroschnecken-Arten statt der zuvor 13 bekannten Spezies.
Hotspot in Nordvietnam
„Die kleinsten der von uns neu beschriebenen 42 Arten sind Angustopila maasseni und Angustopila somasaki mit nur 0,62 bis 0,67 Millimetern Schalenhöhe. Die ‚größte‘ Spezies, Angustopila majuscula sp. nov., hat eine Schalenhöhe von 1,31 Millimeter. Durchschnittlich erreichen die 53 Arten eine Größe von 0,89 Millimetern“, berichtet Jochum. Damit sind die Tiere kleiner als so manches Sandkorn und werden ihrem Rang als kleinste Landschneckengattung der Welt durchaus gerecht. Was ihr Aussehen betrifft, so unterscheiden sie sich die Tiere nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in der Form ihrer Schalenöffnungen. Laut Wissenschaftlern ähneln manche Gehäuseöffnungen einer Birne, während andere eher an eine Niere oder ein Ei erinnern.
Aufgrund ihrer geringen Größe verwundert es nicht, dass die meisten dieser Mikroschnecken nur ein kleines Verbreitungsgebiet haben oder sogar nur in einer einzigen Höhle vorkommen. Trotzdem gibt es auch einige “Ausreißer”, wie Jochum erklärt. So sind drei Arten über mehrere hundert Kilometer verbreitet und kommen in vielen verschiedenen Höhlen vor. Drei weitere sind von zwei Standorten bekannt, die bis zu 500 Kilometer voneinander entfernt liegen. Am wohlsten fühlen sich die Mikroschnecken aber offenbar im Norden Vietnams. An diesem Hotspot konnten die Forschenden bis zu sieben verschiedene Arten in einer einzigen Höhle zählen. Aber auch in Nordlaos, Myanmar und in der chinesischen Provinz Guangxi ist die Mikroschnecken-Vielfalt überdurchschnittlich hoch.





