Die monatliche Fluktuation des Östrogenspiegels bei Frauen könnte einen starken Einfluss auf Gehirnregionen haben, die das Suchtverhalten und besonders die Sucht zu Drogen wie Kokain kontrollieren. Zu diesem Ergebnis kommt Jill Becker von der University of Michigan nach einer Studie an Ratten, die kürzlich auf dem Jahrestreffen der Society for Neuroscience in San Diego vorgestellt wurde.
Wenn Frauen in einer Zeit mit hohem Östrogenspiegel für eine Droge sensibilisiert sind, bleibt die erhöhte Empfindlichkeit bestehen, auch wenn der Spiegel des Hormons wieder sinkt, berichtet Becker. Experimentieren Frauen mit Drogen wie Kokain, ist die Gefahr der Abhängigkeit größer, wenn sie dies in der zweiten Hälfte ihres Zyklus tun. Als gefährlichste Zeit gibt Becker die zwei Wochen nach dem Eisprung an.
Suzette Evans vom Woman’s Research Center am New York State Psychiatric Institute of Columbia University glaubt jedoch nicht, dass Becker die richtigen Schlüsse aus ihren Forschungen zieht. Evans hat ähnliche Studien an Frauen durchgeführt. Ergebnisse aus der Studie mit Ratten seien nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar. Es gebe zu viele Unterschiede zwischen Ratten und Menschen. “Die reproduktive Biologie der Ratte ist gänzlich anders als die einer Frau. Zum Beispiel haben Ratten nur einen Vier-Tages-Zyklus, im Vergleich zu den 28 Tagen bei den meisten Frauen.”
Außerdem, so fügt sie hinzu, gebe es noch keinen Beweis, dass Östrogen ausschließlich der Schlüssel zum Suchtverhalten sei, obwohl auch ihre eigene Forschung bestätigt, dass Östrogen Gehirnregionen beeinflusst, die mit Suchtverhalten zusammenhängen. “Es könnte auch die Wirkungen der Progesterone oder einer anderen Chemikalie sein, die durch den Anstieg der reproduktiven Hormonen angeregt wird”, so Evans.
Becker ist dennoch überzeugt von ihren Forschungsergebnissen: “Meine Daten zeigen, dass Östrogen die neuronalen Änderungen, die durch die Einnahme von Drogen stattfinden, verschlimmert.”
Nicole Waschke





