Schon seit Jahrhunderten trägt der Mensch dazu bei, Tiere und Pflanzen von einer Region der Erde in andere zu bringen. Die gebietsfremden Spezies gelangen im Ballastwasser von Schiffen, an Schiffsrümpfen oder mit der Fracht in ihre neue Heimat, werden über den Tier- und Pflanzenhandel verbreitet oder absichtlich eingeführt, beispielsweise als Nutztiere. Selbst die meisten unserer Nutzpflanzen gehören zu diesen “Neobiota”. Zum Problem werden solche Arten allerdings dann, wenn sie sich nach ihrer Ankunft rasant vermehren, weil sie im neuen Gebiet keine natürlichen Feinde haben. Sie werden dann zur invasiven Art und können heimische Spezies verdrängen und sogar zum Aussterben bringen.
Jedes Jahr 200 gebietsfremde Arten mehr
Wie schwerwiegend – und unterschätzt – das Problem der invasiven Arten ist, unterstreicht der aktuelle Bericht des UN-Biodiversitätsrats (IPBES). In ihm haben 85 Forschende aus 49 Ländern über vier Jahre hinweg den bisherigen Wissensstand zu Verbreitung und Folgen von Bioinvasoren zusammengetragen. Demnach gibt es heute weltweit mehr als 37.000 gebietsfremde Arten und jedes Jahr kommen rund 200 neue dazu. Zwar wirken sich nicht alle davon negativ auf die Ökosysteme der neu besiedelten Gebiete aus, aber bei gut 80 Prozent von ihnen ist dies der Fall, wie der IPBES-Bericht aufzeigt.
Mehr als 3500 Tier- und Pflanzenarten gelten zudem als invasiv – sie breiten sich unkontrolliert aus und bedrohen die heimische Artenvielfalt. Unter diesen Bioinvasoren sind mehr als tausend Pflanzen, gut 1850 wirbellose Tiere und 461 Säugetiere. „Invasive Arten sind eine der fünf schwerwiegendsten Ursachen für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt“, sagt Mitautor Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt. Dem Bericht zufolge sind invasive Arten für etwa 60 Prozent des weltweiten Aussterbens von Tieren und Pflanzen mitverantwortlich. “Mindestens 1200 Aussterbeereignisse von Tieren und Pflanzen können direkt auf 218 invasive Arten zurückgeführt werden“, berichtet Seebens.
Inseln besonders schwer betroffen
Invasive Arten gibt es inzwischen in fast allen Regionen und Biome unseres Planeten: „34 Prozent der Auswirkungen biologischer Invasionen finden wir in Süd- und Nordamerika, 31 Prozent in Europa und Zentralasien, 25 Prozent in Asien und dem Pazifik, etwa sieben Prozent wurden aus Afrika gemeldet”, berichtet Seebens. Am stärksten betroffen sind Ökosysteme an Land, aber auch im Süßwasser und im Ozean kommt es zunehmend zur Verdrängung heimischer Arten durch Bioinvasoren, darunter gebietsfremde Krebse, Weichtiere und Fischarten. Besonders dramatisch ist die Lage auf vielen Inseln: Auf mehr als einem Viertel von ihnen gibt es heute schon mehr gebietsfremde Pflanzen als einheimische Flora, wie die Forschenden berichten.





