Überall auf der Welt macht sich der Klimawandel bemerkbar – doch ganz besonders im hohen Norden: Im Sommerhalbjahr schmilzt das arktische Meereis nun so stark, dass nur noch eine vergleichsweise geringe Ozeanoberfläche bedeckt bleibt. Dies ist nicht nur ein deutliches Zeichen der Erderwärmung – der Eisverlust hat wiederum selbst kritische Folgen: Neben Rückkopplungseffekten auf das Klima bedrohen die Veränderungen auch die Tiere der komplexen Ökosysteme des arktischen Ozeans, denn viele Arten sind auf die schwimmenden Eisflächen im Sommer angewiesen. Dies gilt besonders für die Säugetiere dieses Lebenstraums: Eisbären jagen vom Eis aus, Robbenarten benötigen es zum Bau von Höhlen für ihre Jungen und Walrosse nutzen das Eis als Plattform für die Nahrungssuche.
Die „Last Ice Area” im Blick

Bisher hoffte man, dass zumindest eine Region den eisabhängigen Tierarten als Zuflucht dienen könnte, wenn die Bedingungen in den umliegenden Gebieten unwirtlich werden. Dabei handelt es sich um den Bereich nördlich von Grönland sowie die Inseln des kanadisch-arktischen Archipels. “Das Meereis zirkuliert durch die Arktis und folgt dabei einem bestimmten Muster: Es endet natürlicherweise damit, dass es sich vor Grönland und der nördlichen kanadischen Küste auftürmt”, erklärt Erstautor Axel Schweiger von der University of Washington in Seattle. “In Klimamodellen, wenn man sie über die nächsten hundert Jahre vorwärtslaufen lässt, zeichnet sich in diesem Gebiet die Tendenz ab, dass das Packeis dort im Sommer am längsten überdauert“, erklärt Schweiger. Dieses Gebiet wird deshalb seit langem als primärer Zufluchtsort für die eisabhängigen Tierarten angesehen.
Doch die Ergebnisse der Forscher deuten nun darauf hin, dass sich zumindest in Teilen dieser „Last Ice Area” bereits ein Rückgang des sommerlichen Meereises abzeichnet. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten sie die Hintergründe der bisher stärksten bekannten Schmelze der sommerlichen Meereisbedeckung in einem Teil des Meereis-Refugiums: der Wandelsee im Norden Grönlands. Während dieses Randmeer des arktischen Ozeans normalerweise im Sommer größtenteils eisbedeckt bleibt, zeigten sich im Sommer 2020 gigantische Wasserflächen. Das deutsche Forschungsschiff “Polarstern” hatte dies vor Ort festgestellt und Satellitenbilder zeigten dann: Am 14. August gab es ein Rekordtief von nur 50 Prozent Meereisbedeckung, berichten Schweiger und seine Kollegen. Durch Auswertungen von Satellitendaten und Meereismodellen sind sie nun auch der Frage nachgegangen, welche Faktoren zu dem Rekordtief geführt haben.





