Die Korallenriffe dieser Welt, Lebensraum von Millionen Meereslebewesen, sind zusammengerechnet bedeutend kleiner als bisher angenommen. Dass die Korallenriffe größer geschätzt wurden, liegt weniger an Messfehlern von Wissenschaftlern, sondern daran, dass das Ausmaß der Schädigungen der Korallenriffe durch menschlichen Einfluss in den letzten Jahren nicht so bekannt war.
Wie sehr die Korallenriffe zurückgegangen sind, haben jetzt Wissenschaftler festgestellt, die im Auftrag des “United Nations Environment Programme’s World Conservation Monitoring Centre” (Unep-WCMC) in Cambridge die Korallenriffe kartiert haben.
Gegenwärtig gibt es insgesamt noch etwa 284.300 Quadratkilometer Korallenriffe in den Ozeanen. Das entspricht der Größe von Großbritannien und Irland. Ursprüngliche Schätzungen betrugen das Doppelte bis Zehnfache dieser Fläche. “Die Riffe gehen schneller zurück als die Daten über sie gesammelt werden können”, klagt Mark Spalding, Hauptautor des jetzt erstellten Korallenriff-Atlasses. “Etwa 58 Prozent der Riffe sind vom Menschen bedroht, und wir wissen nicht, wie viel früher da gewesen ist.”
Klaus Toepfer, Direktor der Unep und früherer Bundesumweltminister erklärte gegenüber BBC News, inwiefern der Mensch die Riffe schädige: “Sie werden überfischt, bombadiert und vergiftet. Sie werden vom Bodensatz erstickt und von den Algen, deren Wachstum von nährstoffreichen Kläranlagen und ausgelaufenem Dünger gefördert wird, erwürgt.”
Hinzu kommt, dass sie durch die Erwärmung der Ozeane gleichsam unter Stress geraten. “Ein Temperaturanstieg von einem oder zwei Grad wie zu der Zeit, als El Niño tobte (1998), zerstörte 90 Prozent der Korallen im zentralindischen Ozean”, sagt Spalding.
Die meisten Korallenriffe gibt es in Indonesien, dicht gefolgt von Australien und den Philippinen. Frankreich steht mit seinen Riffen an vierter Stelle und Großbritannien ? wegen seiner Territorien in Übersee ? immerhin an zwölfter Stelle.
Doris Marszk





