Sonntag 18.3.2012 Position 17°23,05?N 073°05,1?W (um 12.00 Uhr Bordzeit = MEZ -5 Stunden) Kurs: 288° Etmal: 298 Seemeilen (die in 24 Stunden zurückgelegte Strecke) Durchschnittsgeschwindigkeit: 12,4 Knoten Wetterbericht, 12.00 Uhr Luftdruck: 1017,4 hPa Wind: Ost 4 Beaufort Lufttemperatur: 25,8°C Wassertemperatur: 27,0°C Höhe der Dünung: 2-3 Meter Die Merian fährt heute entlang der Südküste der Insel Hispaniola, auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen. Hier ist das Karibische Meer etwa 4.500 Meter tief. Der wichtigste Tagespunkt wurde von vielen Forschern bereits voller Unruhe erwartet. Am frühen Nachmittag stoppte die Merian auf Position 17°26,77?N 073°14,83?W,ca. 40 Seemeilen südlich von Haiti. Hier wurde der Unterwasserroboter getestet, das ROV (remote operated vehicle), wie es die Forscher nennen. Dazu setzen die Matrosen unter Leitung von Bootsmann Norbert Bosselmann die Posidonia-Antenne in einen Schacht im Schiffsrumpf ein. Sie öffnen ein ungefähr ein mal ein Meter großes Loch im Hangar des Schiffs, das hinunter ins Meer führt. An Ketten lassen die Matrosen dann die Antennen in ihrem schweren Stahlrahmen hinunter. ?Antenne ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, auch wenn das System die gleiche Funktion erfüllt?, erklärt Martin Tomiak, System-Operator der Merian. ?Es ist ein akustisches System aus vier Mikrofonen, die in vier verschiedene Richtungen zeigen. Das Posidonia-System empfängt vom ROV Schallsignale und da der Schall die Mikrofone nicht zum gleichen Zeitpunkt erreicht, sondern leicht versetzt, kann man aus dem Zeitunterschied berechnen, wo sich das ROV befindet.? Nur so ist es möglich, überhaupt zu wissen, wo genau unter dem Schiff das ROV ist. Für den Leiter des ROV-Teams, Nico Nowald, und seine Mannschaft ist dies ein spannender Augenblick: Funktionieren alle Systeme wie geplant? Der Erfolg der ganzen Mission hängt davon ab. Vorsichtig hebt die Crew der Merian das ROV mit einem Spezialkran hoch und lässt es langsam ins Meer ab. Dann folgt der 2 Zentner schwere Stahlrahmen. Er hält das Verbindungskabel des ROVs immer in der richtigen Tiefe. Das Verbindungskabel ist ein stabiles Stahlkabel, in dessen Inneren ein Glasfaserkabel Daten von und zur Merian transportiert. Nowald und sein Co-Pilot Götz Ruhland sitzen in einem Raum direkt neben dem Spezialkran. Sobald das ROV im Meer ist, übernehmen sie die Steuerung des Roboters. Langsam bringen sie ihn auf 250 Meter Wassertiefe und testen alle Funktionen, die sie in den nächsten Wochen ständig brauchen werden. Dann die große Erleichterung: Alles funktioniert. Das ROV kommt zurück an Bord und die Merian nimmt wieder Fahrt auf. Gegen Mitternacht wird sie zwischen Jamaika und Hispaniola durchfahren, wenn nichts dazwischen kommt. 3 Fragen zu … beantwortet heute Andre Freiwald, Professor für Meeresgeologie an der Universität Bremen und Leiter von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven, zurzeit mit seinen Mitarbeitern an Bord der ?Maria S. Merian?. Andre Freiwald, Professor für Meeresgeologie Was haben Kaltwasserkorallen und normale tropische Korallen gemeinsam? Freiwald: Beide sind Tiere. Beide haben ein Kalkskelett. Die tropischen Korallen bauen daraus die Flachwasserriffe, die Schiffen im Weg sein können. Die anderen bauen Riffe in der Tiefsee, die wir erst seit Kurzem erforschen können. Worin bestehen die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Korallenarten? Freiwald: Im Grunde darin, dass die tropischen Korallen Symbionten haben, quasi Lebenspartner zum gemeinsamen Nutzen. Das sind einzellige Pflanzen, sogenannte Dinoflagellaten. Die Koralle nimmt sie schon als Larve auf und lässt sie in ihrem Körper leben. Für die Alge hat das Vorteile: Die tropischen Meere sind sehr nährstoffarm, und Pflanzen brauchen zum Wachstum Nährstoffe wie Phosphat und Nitrat. Die erhalten sie aus den Exkrementen der tierischen Korallen. Im Gegenzug produzieren die Algen Sauerstoff, veratmen Kohlendioxid und verändern so das Karbonat-Gleichgewicht in den Zellen der Korallen. Das macht es den Korallen leichter zu verkalken, denn Kalk besteht ja aus den beiden Komponenten Kalzium und Karbonat. Die Kaltwasserkorallen leben in größerer Tiefe, so ab 50 Meter bis etwa 6.000 Meter Wassertiefe, wo es dann irgendwann völlig dunkel wird. Deswegen können sie auch mit Pflanzen als Symbionten gar nichts anfangen. Wovon leben Kaltwasserkorallen? Freiwald: Sie sind Fleischfresser und leben vor allem von Planktonorganismen, aber kleinen Krebstierchen. Die Korallen nehmen sie mit ihren Tentakeln auf. Viele Planktonorganismen, vor allem die kleinen Krebse, wandern täglich über 1.000 Meter auf und ab. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, schwimmen sie oben an der Wasseroberfläche und fressen dort Algen. Abends sinken sie dann in die Tiefe. Abends gegen halb acht ist unten Happy Meal Hour für die Kaltwasserkorallen. Die sitzen in 800 Meter Wassertiefe, machen ihre Tentakelkronen auf und warten auf die Krebse. Von denen erwischen sie sehr viele. Thomas Willke, Korrespondent von bild der wissenschaft, von Bord der Maria S. Merian Unruhe vor dem ersten Testlauf des ROVs. Werden alle Systeme funktionieren? Foto: Thomas Willke Die Matrosen lösen das Verbindungsseil zum ROV. Jetzt ist es nur noch über das gelbe Verbindungskabel mit der Merian verbunden. Foto: Thomas Willke. Foto: Thomas Willke Das ROV taucht ab. Das vollständige Logbuch finden Sie hier 15. März: “Startschwierigkeiten” 16. März: Kein Visum ? keine Forschungsreise 17. März: Ruhe vor dem Strum 18. März: Von Unterwasserrobotern und Korallen 19. März: Jagd nach Aerosolen 20. März: Achtung, Rutschgefahr! 21. März: Endlich im Arbeitsgebiet 22. März: Daten sammeln auf rauer See 23. bis 25. März: Reiche Ausbeute vor Yucatan 26. März: Vielfältige Unterwasserwelt vor Florida 27. März: Tückischer Sand 28. März: Den Meeresboden durchleuchten 28. März: Den Meeresboden durchleuchten 29. März: Oasen in der Wüste 30. März: Ein Freund für den ROV 31. März: Bahamas voraus 01. April: Im Golfstrom 02. April: Die erste Banane 03. April: Der Korallenfriedhof 04. April: Mount Gay 05. April: Zwei Berge und ein Blitz 06. April: Nordwärts 07. April: Abschied Mehr über die Forschungsexpedition der Maria S. Merian erfahren Sie unter www.marum.de .





