Schiffe haben über das Seewasser in ihren Ballastwassertanks viele fremde Arten rund um den Globus verbreitet (siehe auch Beitrag in bdw Heft 9/2000, “Ausrotten aussichtslos”). Wie das Magazin “Nature” in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hat der US-amerikanische Wissenschaftler Gregory M. Ruiz vom Smithsonian Environmental Research Center jetzt durch Untersuchungen nachgewiesen, dass in den Tanks auch große Mengen von Bakterien und Viren vorkommen können. Bei 15 untersuchten Ballastwassertanks fanden Ruiz und seine Kollegen rund 800 Millionen Bakterien pro Liter Wasser und etwa sieben Milliarden virenähnliche Organismen. In allen Tanks ließen sich Cholera-Erreger nachweisen.
Die entdeckten Mikroorganismen überlebten den Transport über große Distanzen und können nach Ansicht des Forschers eine potentielle Gefahr darstellen, auch wenn die gefundenen Konzentrationen bisher nicht ausreichten, um Krankheiten auszulösen. In der Vergangenheit sorgten durch das Ballastwasser eingeschleppte Arten wie die Zebramuschel oder Algen bereits für gravierende Schäden in heimischen Ökosystemen, die gut dokumentiert sind. Über die Verbreitung von Bakterien oder Viren ist im Vergleich dazu noch relativ wenig bekannt. In deutschen Häfen werden nach Angaben von Wissenschaftlern jährlich rund 2,2 Millionen Tonnen Ballastwasser aus nichteuropäischen Regionen abgelassen. (Nature, Vol. 408, Nr. 6808, 02.11.2000)
Almut Bruschke-Reimer





