Bakterien ohne Zellwand vermehren sich durch kleine Ableger, anstatt durch Teilung in zwei gleich große Zellen. Das haben Forscher beobachtet, nachdem es ihnen erstmals gelungen war, Zellen ohne Zellwand dauerhaft zu züchten. Diese bisher unbekannte Vermehrungsmethode könnte ein Hinweis auf die Entwicklung der ersten Zellen vor zwei Milliarden Jahren sein.
Viele Antibiotika greifen die Zellwand von Bakterien an ? die meisten Zellen sind dann ohne Zellwand nicht mehr überlebensfähig. Die Forscher fanden jedoch Bakterien vom Typ Bacillus subtilis, die aufgrund einer genetischen Mutation unter bestimmten Bedingungen ohne Zellwand überlebten und sich sogar vermehrten.
Fast alle bekannten Bakterien vermehren sich durch Zellteilung. Dabei wird die Zellmembran so zusammengeschnürt, dass zwei gleich große neue Zellen entstehen. Bei Bakterien, denen die stabilisierende Zellwand fehlte, beobachteten die Forscher jedoch einen anderen Mechanismus: Mehrere kleine Blasen pulsierten an einer Zelle oder wanderten die Zelloberfläche entlang, bis sie sich plötzlich loslösten. Diese Blasen wuchsen und vermehrten sich später weiter. Es handelte sich also um lebendige Nachkommen ? die Zellen spuckten Babys aus, anstatt sich in zwei Kopien zu teilen.
Nach Vermutungen der Forscher geht dieser Fortpflanzungsmechanismus auf die frühesten Formen des Lebens zurück, nämlich auf Einzeller, die noch keine Zellwand besaßen. Möglicherweise hat sich dieses System bis heute erhalten, um das das Überleben bei Beschädigung der Zellwand zu ermöglichen ? beispielsweise wenn sich Bakterien gegenseitig mit Antibiotika bekriegen.
Mark Leaver (Universität in Newcastle) et al.: Nature (Bd. 457, S. 849, DOI: 10.1038/nature07742) ddp/wissenschaft.de ? Martin Rötzschke





