Eidechsen auf den Bahamas sind sehr reiselustig: Sie lassen sich von Meeresströmungen zu Nachbarinseln tragen ? und bringen dort die Evolution durcheinander, indem sie sich mit den vorher dort ansässigen Tieren paaren. Das berichten amerikanische Forscher in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 426, S. 552).
Eigentlich sind Tiere, die auf isolierten Inseln leben, die Lieblingsmodelle von Evolutionsbiologen. Nur dort, so meinen die Forscher, könne nämlich der Einfluss der Umgebung auf Aussehen, Verhalten und Genom der Tiere störungsfrei beobachtet werden. Lästige Paarungen mit anderen Arten, die zur Mischung mit fremden Genen führen, seien praktisch ausgeschlossen.
Ein paar Eidechsen von den Bahamas könnten die Forscher jedoch eines Besseren belehren, entdeckten Ryan Calsbee und Thomas Smith von der Universität von Kalifornien in Los Angeles: Die Tiere schlagen der Evolution nämlich ein Schnippchen und reisen munter zwischen den einzelnen Inseln hin und her. Dazu benutzen sie entweder kleine Holzstücke als Flöße oder sie lassen sich direkt in den Meeresströmungen treiben. In der neuen Heimat angekommen, mischen sie sich mit den einheimischen Eidechsenarten und erschweren so den Evolutionsforschern ihre Arbeit.
Die Biologen entdeckten die Reiselust der Tiere eher durch Zufall: Nach einem schweren Hurrikan, durch den ein großer Teil der Eidechsen auf den Bahamas umgekommen war, erholten sich die Populationen viel schneller als erwartet ? und auch als durch übrig gebliebene Nachkommen erklärt werden konnte. Die Forscher untersuchten, auf welchen Wegen sich die Eidechsen verteilt hatten und stellten dabei fest, dass die Reiserouten der Eidechsen genau den Hauptmeeresströmungen des Gebiets entsprachen. Es sei sehr wichtig, in Zukunft solche Faktoren wie die Meeresströmungen in evolutionäre Betrachtungen und Bewertungen einzubeziehen, schreiben die Wissenschaftler.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





