Das Brabbeln von Babys ist mehr als nur das Trainieren der Sprechmuskeln. Es zeigt gewissermaßen die Inbetriebnahme des Sprachzentrums im Gehirn. Dies belegen kanadische Forscher durch zahlreiche Video-Aufnahmen. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich auf einer Tagung der “Society for Neuroscience” vorgestellt.
Das Sprachzentrum sitzt in der linken Gehirnhemisphäre. Da die linke Gehirnhälfte die rechte Seite des Körpers kontrolliert, lässt sich beobachten, dass die meisten Menschen beim Sprechen eher die rechte Seite ihres Mundes bewegen als die linke. Allerdings gibt es wie Linkshändigkeit auch eine “Linksmündigkeit”.
Die Neuropsychologen Siobhan Holowka und Laura Ann Petitto von der McGill University in Montréal haben diese Beobachtung überprüft, indem sie Video-Aufnahmen von sechs Babys im Alter zwischen sechs und zwölf Monaten gemacht haben.
Drei der Babys kamen aus englischsprachigen, die anderen drei aus französischsprachigen Familien. Durch diese Verteilung wurde ein möglicher sprachspezifischer Aspekt ausgeschaltet. Überdies zogen die Forscher zwei unabhängige Personen heran, die auf den Videoaufnahmen die Momente der Rechts- oder Linksmündigkeit bei den Babys auszählen sollten. Die Analyse zeigte, dass die Babys mit ihren Brabbeleien tatsächlich fast immer die rechte Mundhälfte deutlich stärker bewegten.
“Dies ist eine wichtige Beobachtung”, beurteilt die Neurowissenschaftlerin Joy Hirsch vom “Memorial sloan-Kettering Cancer Center” in New York die Studie. “Die Beobachtung besagt, dass das Sprachzentrum der Babys intakt ist. Und wir erfahren es, noch bevor die Babys auch nur ein einziges richtiges Wort artikulieren.”
Doris Marszk





