Text: Stephanie Eichler
Im Winter kocht Sabrina Wagner häufig Kartoffeln mit Spiegelei. Ab Februar gibt es dazu junge Löwenzahntriebe, zarten Giersch, feine Brennnessel und ab März auch frischen Bärlauch, die in Beeten vor ihrem Haus wachsen. Im Sommer mag sie am liebsten grüne Salate mit Zucchininudeln, gebackenen Stückchen aus Kürbis und Roter Beete sowie Kreuzkümmel. Im Herbst lässt sie ihren Eintopf mit Kartoffeln, Bohnen, Kürbis, Karotten, Zwiebeln und Sellerie überm Lagerfeuer brodeln. Was bei Wagners vierköpfiger Familie und den Schwiegereltern auf dem Teller landet, richtet sich nach der Jahreszeit. Fast alles stammt aus dem eigenen Garten in Aldersbach, einem Dorf zwischen Passau und Landshut. Eher selten gibt es Pizza vom Lieferdienst.
Sabrina Wagner teilt Rezepte und ihr Wissen rund ums Gärtnern bei Instagram sowie in Kursen, die online oder auf ihrem Grundstück stattfinden. Ihr Buch „Permakultur leben“, im Januar erschienen, landete beim Deutschen Gartenbuchpreis in der Kategorie „Bester Ratgeber“ auf dem zweiten Platz. Selbstversorgerinnen wie Wagner nähren andere Gärtner und Gärtnerinnen mit Tipps auf dem Weg zum Selbstgeernteten. In der Szene gilt ihr zeitaufwändiges Engagement als gesellschaftlicher Beitrag zur Bewältigung von Klimakrise, Artenschwund und sozialen Problemen. „Wenn ich meine Kinder anschaue, weiß ich, dass sich jede Mühe lohnt, um die Welt ein Stück zu retten“, sagt Wagner.
Käseproduktion in den Startlöchern
An einem Tag Ende März scheint die Sonne durch das große Südfenster in Sabrina Wagners Küche. Hier steht das Anzuchtregal mit Töpfen voller Chili-, Paprika- und Tomatenpflanzen aus eigenem Saatgut. Jeden Morgen gegen acht Uhr verlässt die 38-Jährige das Haus, läuft an Nussbäumen und Wildsträuchern entlang zum Ziegenstall, um die beiden Milchziegen der Rasse bunte deutsche Edelziege und den Mischlingsbock zu füttern. Noch kauft Wagner Produkte wie Käse zu. Aber nicht mehr lange, die Planungen für den selbst hergestellten Ziegenkäse laufen. Bei den Eiern hat sie bereits auf Selbstversorgung umgestellt. Elf Stück sammelt sie an diesem Morgen im Hühnerstall. Eins zieht sie direkt unter einem Huhn hervor.
Das 8000 Quadratmeter große Gelände, auf dem Wagners Haus, Ziegen- und Hühnerstall stehen, ist an einigen Stellen nur 30 Meter breit, aber insgesamt 300 Meter lang. Bei der Gestaltung hat sich die Naturschützerin an der Permakultur orientiert. Die beiden Australier David Holmgren und Bill Mollison haben das Konzept begründet und dafür 1981 den Alternativen Nobelpreis erhalten. „Zunächst gilt es zu überlegen, was man erreichen will, um den Garten großräumig einzuteilen, anstatt sich in Details zu verlieren“, erläutert die Bayerin. Sie wollte zum Beispiel Amphibien und Insekten anlocken und Gemüse anbauen. Ein Teich und Beete mussten deshalb her. Doch wohin genau? Die Prinzipien der Permakultur halfen ihr bei der Planung. „Es geht darum, den Garten in verschiedene Zonen zu unterteilen, und zwar je nach Intensität der Bewirtschaftung“, erklärt Wagner.





