Wenn man in den bewaldeten Bergregionen Ostaustraliens in einen kleinen, klaren Fluss schaut, kann man mit etwas Glück einen relativ großen, farbenfrohen Flusskrebs am Grund entdecken. Typisch für diese Krebse der Gattung Eustacus sind lange Stacheln auf ihren Panzern und Scheren, aber auch ein wenig auffälliger Mitbewohner: Ein kleiner Plattwurm aus der Gruppe der Strudelwürmer.
Erfolgreiche Partnerschaft
Temnocephala, so der Name dieser Wurmgruppe, leben als hochspezialisierte Symbionten auf dem Panzer oder in den Kiemenhöhlen der Flusskrebse. Sie filtern dort organische Partikel aus dem Wasser oder von der Oberfläche der Gewebe und helfen dem Krebs damit, sich von Parasiten und Krankheitserregern freizuhalten. Umgekehrt versorgt der umherwandernde Krebs sie ständig mit neuer Nahrung.
Diese enge Partnerschaft von Krebs und Wurm besteht schon seit gut 100 Millionen Jahren, wie Genanalysen von Jennifer Cuthill von der University of Cambridge nun enthüllten. Seit dieser Zeit haben sich die Plattwürmer und die Eustacus-Flusskrebse gemeinsam weiterentwickelt und perfekt aneinander angepasst. “Die intime Beziehung zwischen Wirten und ihren Symbionten ist oft einzigartig und langlebig”, erklärt Koautor Tim Littlewood. Sie ist damit ein echtes Erfolgsmodell der Koevolution.
Doppelter Tod
Doch diese erfolgreiche Partnerschaft droht nun zu enden. Denn viele der Eustacus-Flusskrebse Australiens sind inzwischen akut vom Aussterben bedroht. Vor allem in Queensland kommen diese Krebse nur noch in isolierten Bergbächen der wenigen verbliebenen Flecken ursprünglichen Regenwalds vor, wie die Forscher berichten. Durch Klimaveränderungen und menschliche Eingriffe schrumpft der Lebensraum dieser Flusskrebse immer weiter. Laut roter Liste gelten inzwischen drei Viertel dieser Krebsarten als bedroht oder sogar kritisch bedroht.

Ein Flusskrebs der Art Eustacus kershawi (Foto: Kim Sewell)
Wenn aber die Flusskrebse aussterben, dann wird dies auch das Ende für viele der an sie angepassten Plattwürmer bedeuten, wie die Biologen nun feststellten. “Das Aussterbe-Risiko der Flusskrebse war schon bekannt, aber wir haben nun erstmals auch das Risiko für die Temnocephala bestimmt – und es sieht so aus, als wenn diese urzeitliche Partnerschaft mit dem Aussterben gleich beider Arten enden könnte”, sagt Cuthill.
Das Schicksal der Flusskrebse und ihrer Plattwurm-Symbionten wäre damit ein Beispiel für die sogenannte Coextinktion – die Tatsache, dass das Verschwinden einer Art auch eine andere zum Aussterben bringen kann. Wenn die Flusskrebse und ihre wenigen noch verbliebenen Habitate künftig nicht besser geschützt werden, dann könnte eine 100 Millionen Jahre lange Erfolgsbeziehung dadurch schon bald endgültig enden.





