Text: Roman Goergen
In den Medien Lateinamerikas ist die Sichtung eines Jaguarundis immer noch eine Schlagzeile wert. Als die kleine Raubkatze im November am Flughafen von Puerto Iguazú in Argentinien auftauchte, war das eine kleine Sensation: „Der Jaguarundi wurde am Eingang entdeckt – ein seltenes Ereignis, das zeigt, wie nah diese Tiere an bewohnte Gebiete kommen“, schrieb „100 Fronteiras“. José Ramírez-Fernández kennt solche Reports gut. Der Biologe und Experte für kleine Wildkatzen von der One Health Costa Rica Alliance (OHCRA), arbeitet daran, mehr über das rätselhafte Tier zu erfahren: „Der Jaguarundi ist keine leicht zu erforschende Art. Es gibt nur sehr wenige Berichte über ihn, da er selbst in natürlichen Lebensräumen nicht häufig vorkommt“, erläutert er. Forschende begeistern sich eher für die Spitzenprädatoren ganz oben in der Nahrungskette, wie zum Beispiel die im mittelamerikanischen Costa Rica vertretenen Jaguare oder Pumas – vor allem auch deswegen, weil dafür mehr Fördergelder zur Verfügung stehen.
Selten und wenig erforscht
Seltenheit und mangelnde Forschung machen den Jaguarundi hingegen zum Mysterium. Meistens existieren nur ein bis fünf Individuen pro 100 Quadratkilometer – das Tier ist oft so spärlich vertreten, dass Experten fürchten, es könnte unbekannterweise gefährdet sein. Prognosen über die Gesamtzahl der Art in einem Verbreitungsgebiet, das von Nordmexiko über Mittelamerika bis nach Nordargentinien reicht, schwanken so zwischen 35.000 und 230.000. Solche Zählungen und Hochrechnungen basieren fast ausschließlich auf indirekten Beweisen wie Spuren oder Kot und auf Aufnahmen durch bewegungsgesteuerte Kamerafallen. Selbst Jaguarundi-Fachmann Ramírez-Fernández kann sich nicht sicher sein, der Art jemals persönlich begegnet zu sein: „Ich war zu Besuch auf dem Land in Costa Rica und ging durch ein Gebiet mit Feldern und Weiden in der Nähe von San José, als ich aus den Augenwinkeln eine seltsame schwarze Katze sah. Das könnte ein Jaguarundi gewesen sein.“
Die Menschen in dieser Region halten Hühner und Kühe. „Es gibt dort nicht viele unberührte natürliche Lebensräume, und ironischerweise scheint es genau diese Art von Umgebung zu sein, die Jaguarundis bevorzugen“, so Ramírez-Fernández. Ein solche Anpassung macht den Jaguarundi als heimlichen und flinken Überlebenskünstler zwar flexibel für eine immer stärker vom Menschen modifizierte Umwelt, gleichzeitig aber auch anfällig für Konflikte, zum Beispiel verursacht durch Hühnerdiebstähle oder Missverständnisse über seine Rolle in der Natur. Oft wird er für Verluste in Hühnerställen verantwortlich gemacht, auch wenn andere Raubtiere wie Ozelots oder Füchse beteiligt sein könnten. In einigen Regionen kursieren zudem Mythen über den Jaguarundi, die dazu führen, dass er aus Angst oder Unwissenheit getötet wird. Schutzprojekte setzen daher zunehmend auf Präventionsmaßnahmen wie katzensichere Hühnerställe, um solche Konflikte zu entschärfen.





