Es gibt sie schon seit Urzeiten und bis heute besiedeln tausende von Arten viele unterschiedliche aquatische Lebensräume der Erde: Die Schwämme gelten als eine der einfachsten und urtümlichsten Formen mehrzelliger Lebewesen mit spezialisierten Geweben. Durch ihre buchstäblich schwammigen Körper filtern sie organische Partikel aus dem Wasser, die ihnen als Nahrung dienen. Dazu saugen sie die Flüssigkeit durch kleine Poren (Ostien) in ein internes Kanalsystem ein, in dem spezialisierte Zellen Nahrungspartikel aufnehmen sowie durch das Schlagen kleiner Geißeln für Strömung sorgen. Durch die sogenannten Oscula verlässt das Wasser den Schwammkörper dann wieder. Über diese Ausflussöffnungen und den Wasserstrom wird der Schwamm auch Abfallprodukte wie Nahrungsüberreste los.
Schwamm-Verhalten im Zeitraffer
Bisher nahm man an, dass die Entsorgung über die Ausflussöffnungen auch durch feine Kontraktionen unterstützt wird, die bei Schwämmen beobachtet wurden. Dieses Verhalten wurde bereits als ein „Niesen“ bezeichnet. Die aktuelle Studie zeigt nun allerdings auf, dass die Kontraktionen einem Niesen sogar mehr ähneln als bisher gedacht. Denn offenbar befreien sich die Schwämme dadurch mithilfe von Schleim gezielt von nutzlosen Schmutzpartikeln, die ihr Filtersystem verstopfen könnten. Dies geht aus Untersuchungen hervor, die das Team um Jasper de Goeij von der Universität von Amsterdam an Schwämmen in Aquarien und in Riffen durchgeführt hat. Im Visier ihrer Kameras standen dabei Exemplare der karibischen Schwammart Aplysina archeri und einer indopazifischen Spezies aus der Gattung Chelonaplysilla.
Wie das Team berichtet, wird durch Zeitraffer in den Videoaufnahmen deutlich: Aus den Meerwassereintrittsporen (Ostien) tritt entgegen der Strömungsrichtung Schleim aus, der offenbar mit Schmutzpartikeln beladen ist. Diese Substanz wird dann abtransportiert und sammelt sich an bestimmten Stellen auf der Schwammoberfläche zu Krümeln an. Diese werden anschließend durch die periodischen Kontraktionen, die bereits als “Niesen” beschrieben wurden, in das umgebende Wasser abgegeben. Mit anderen Worten: Es sieht so aus, als ob die Schwämme ständig schleimige Partikel ausstoßen, um Schmutz-Substanzen loszuwerden.
“Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass dies eine Anpassung ist, die Schwämme entwickelt haben, um sich sauber zu halten”, sagt de Goeij. Beim Vergleich mit dem menschlichen Pendant ist allerdings ein Aspekt hervorzuheben: Schwämme niesen nicht wirklich stoßartig: “Der Prozess dauert etwa eine halbe Stunde. Aber sowohl das Niesen von Schwämmen als auch das Niesen von Menschen dient der Reinigung“, sagt der Meeresbiologe.





