Um die weltweite Gold-Nachfrage zu stillen, werden jedes Jahr rund 3.600 Tonnen des Edelmetalls abgebaut, 700 davon im sogenannten artisanalen Bergbau – einer Art Kleinbergbau, bei dem die Arbeiter weitestgehend händisch und ohne schwere Maschinen vorgehen. Er findet vor allem in abgelegenen, schwer zugänglichen Gegenden wie dem Tapajós-Flussbecken im brasilianischen Amazonasgebiet statt. Das macht ihn allerdings auch schwerer zu überwachen als die maschinelle Variante, weshalb es in dieser und anderen solcher Regionen zahlreiche illegale Minen gibt.
Mit Quecksilber auf Goldjagd
Ebenso wie die maschinelle Goldgewinnung ist auch der Kleinbergbau nicht gerade zuträglich für die Umwelt. In der Vergangenheit stand er unter anderem in der Kritik, weil durch ihn große Mengen Quecksilber in die Umwelt gelangen und Luft, Wasser sowie Böden vergiften. Die Arbeiter nutzen das flüssige Metall, um damit an die Goldpartikel im Gestein und Sediment zu kommen, das sie zuvor aus Flussbetten gefördert haben. Das Quecksilber bildet eine sogenannte Amalgam-Legierung mit dem Gold, wodurch sich das Edelmetall gezielt aus den Erzklumpen herauslösen lässt. Erhitzt man das Amalgam anschließend, verdampft das Quecksilber und übrig bleibt weitestgehend reines Gold. Um zu verhindern, dass sich dieser Quecksilber-Dampf in der Umwelt anreichert, kommen mittlerweile meist sogenannte Retorten zum Einsatz. Diese Destillatoren fangen das dampfförmige Quecksilber auf und recyceln es sozusagen für die nächste Runde.
Bislang war allerdings unklar, wie effektiv die Retorten tatsächlich arbeiten. Ebenso unklar war, wieviel CO2 die für den Abbau benötigten Diesel- und Benzin-Motoren in die Luft schleudern, wenn sie zum Beispiel Fahrzeuge oder Pumpen antreiben. Beides haben Forschende um Benjamin Fritz von der Hochschule Pforzheim nun erstmals ermittelt. Dafür besuchten sie circa 50 Minen im Einzugsgebiet des Tapajós-Flusses im brasilianischen Regenwald. Während einige der Minen gesetzeskonform operierten, gab es auch illegale Abbaustätten und solche, die sich in gesetzlichen Grauzonen bewegten. Vor Ort führten Fritz und seine Kollegen einerseits Interviews mit den einheimischen Bergleuten und untersuchten andererseits, wie viel CO2 und Quecksilber sie beim Goldabbau in die Umwelt freisetzen.
Artisanaler Goldabbau schädlicher als maschineller
Das Ergebnis: Selbst wenn die Arbeiter Destillatoren einsetzten, gelangten pro Kilogramm abgebautem Gold im Schnitt immer noch 0,2 Kilogramm Quecksilber und 16 Tonnen CO2 in die Umwelt, wie die Forschenden berichten. „Der Goldabbau ist nicht klimafreundlich, auch nicht der artisanale Bergbau. Der Carbon Footprint von Gold ist mit 16 Tonnen pro Kilo unter den Metallen mit am höchsten. Bei Kupfer liegt der Wert im Vergleich bei nur drei Kilogramm CO2“, ordnet Projektleiter Mario Schmidt ein. Was den Ausstoß von Quecksilber angeht, so errechnete das Team, dass allein im Tapajós-Flussbecken jedes Jahr rund 2,5 Tonnen von dem giftigen Metall in die Umwelt gelangen. Das sei nicht nur schädlich für die Natur, sondern auch für die Gesundheit der Goldgräber.





