“Mamama”, “dadada”…: Das typische Babbeln im Rahmen der Sprachentwicklung bei Kleinkindern besitzt eine erstaunliche Parallele im Tierreich, zeigt eine Studie: Die Jungtiere von Sackflügelfledermäusen üben Kommunikationslaute in ähnlicher Weise wie menschliche Kinder, zeigen akustische Analysen. Die Erkenntnisse werfen somit Licht auf die Grundprinzipien und evolutionären Ursprünge hochentwickelter Kommunikationsformen, sagen die Forscher.
Unseren Mitmenschen komplexe Informationen vermitteln zu können, ist ein Schlüsselelement unseres Erfolges. Um das knifflige Sprachsystem zu beherrschen, ist allerdings viel Lernarbeit und Training nötig. Kinder müssen dazu Bezugspersonen zunächst gut zuhören, um die Laute anschließend imitieren zu können. Dabei helfen Eltern ihren Kindern intuitiv durch die sogenannte Babysprache: Durch die hohe Stimmlage und langsame, überdeutliche Aussprache wird die Aufmerksamkeit gefördert und Kinder können Lautmuster besser erkennen.
Zur Wiedergabe müssen sie dann in der Lage sein, ihren Stimmapparat präzise zu kontrollieren. Jedes Kleinkind muss dazu die komplexen Bewegungen der Zunge, der Lippen und des Kiefers trainieren. Genau dies spiegelt sich im Babbeln wider. Dabei wird vor allem die Produktion der sogenannten kanonischen Silben wie „da“, „ba“, „ga“ geübt. Die Babbelphase weist dabei universelle Schlüsselmerkmale auf – unabhängig von kulturellen Einflüssen und der jeweiligen Sprache.
Fledermäusen zugehört
Babysprache und Babbeln zeichnen nur die komplexe Sprachentwicklung beim Menschen aus, könnte man meinen. Doch in einer früheren Studie konnten die Forscher um Mirjam Knörnschild vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama City bereits zeigen, dass es Parallelen bei einer besonders kommunikativen Fledermausart aus Mittelamerika gibt. Demnach verändern die Weibchen der Großen Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata) den Klang ihrer Lautäußerungen, je nachdem, ob sie sich an Jungtiere oder Erwachsene richten. Neben dieser Ähnlichkeit zur menschlichen Babysprache fanden die Wissenschaftler auch Hinweise auf besondere Lautmuster bei den Jungtieren. Diesem Phänomen haben sie nun eine genauere Analyse gewidmet.
Die Forscher belauschten dazu junge Sackflügelfledermäuse in ihrem natürlichen Lebensraum in Panama und Costa Rica: Sie erstellten täglich akustische Aufnahmen sowie Videos der Kleinen – von ihrer Geburt bis zur Entwöhnung. So konnten die Wissenschaftler das auffällige Vokalisations-Verhalten der Jungtiere zunächst klar dokumentieren: „Die einzelnen Sequenzen können bis zu 43 Minuten andauern und sind durch lange, vielsilbige Sequenzen gekennzeichnet, die Silbentypen des adulten vokalen Repertoires beinhalten und noch in beträchtlicher Entfernung zum Tagesquartiers zu hören sind”, berichtet Co-Autorin Martina Nagy vom Museum für Naturkunde in Berlin.





