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Auch Bullenhaie haben Freunde
Erde & Umwelt

Auch Bullenhaie haben Freunde

Die beiden Bullenhaie Chunky (vorne) und Lady Lazarus (hinten) schwimmen gerne miteinander. · Foto: Natasha D. Marosi

Ob im offenen Meer oder in Flüssen – Bullenhaie besiedeln unterschiedlichste Lebensräume und stehen dort an der Spitze der Nahrungskette. Die Raubfische galten bisher als Einzelgänger. Eine Langzeitstudie liefert nun jedoch Hinweise darauf, dass die Tiere ein reges Sozialleben haben und sogar so etwas wie Freundschaften pflegen.
Autor
Carolin Malmendier
20. März 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Als Küstenbewohner kommen Bullenhaie (Carcharhinus leucas) in tropischen und subtropischen Gewässern weltweit vor. Sie können sowohl in salzigen als auch in süßen Gewässern leben und schwimmen oft weit die Flüsse hinauf. Ihren Namen verdanken die gut zwei Meter langen Bullenhaie ihrem gedrungenen Körperbau, der breiten, stumpfen Schnauze sowie ihrem als vergleichsweise aggressiv und unberechenbar geltenden Verhalten.

Um ihr Sozialverhalten genauer zu untersuchen, hat ein Forschungsteam um Natasha D. Marosi von der University of Exeter in Großbritannien die Tiere nun für eine längere Zeit beobachtet. Die Studie basiert auf sechs Jahren Beobachtungen von insgesamt 184 Bullenhaien in Fidschi, einem Inselstaat im Südpazifik. Die Haie wurden in drei Altersgruppen eingeteilt: noch nicht geschlechtsreife Jungtiere, ausgewachsene Tiere und ältere Adulte nach der Fortpflanzungsphase. Die Forschenden untersuchten dabei, wie häufig sich zwei Tiere innerhalb einer Körperlänge zueinander aufhielten und welche sozialen Interaktionen vorkamen, wie beispielsweise das Folgen eines Artgenossen und paralleles Schwimmen.

Wer mit wem schwimmt

Das Ergebnis überraschte: Die Bullenhaie haben ein erstaunlich komplexes Sozialleben und bevorzugen dabei bestimmte Artgenossen. Den Beobachtungen zufolge wählten die Haie ihre Sozialpartner keineswegs zufällig. Sie interagierten bevorzugt mit Artgenossen ähnlicher Größe. Auffällig war zudem, dass sowohl Männchen als auch Weibchen häufiger die Nähe weiblicher Tiere suchten. „Als Menschen pflegen wir vielfältige soziale Beziehungen – von flüchtigen Bekannten bis hin zu unseren besten Freunden. Aber wir meiden auch aktiv bestimmte Menschen – und diese Bullenhaie verhalten sich ähnlich“, erklärt Marosi.

Die Auswertung zeigte auch, dass Männchen im Durchschnitt stärker vernetzt waren und mehr soziale Kontakte hatten. Ein möglicher Grund dafür: Männliche Bullenhaie sind meist kleiner als Weibchen. „Ein möglicher Vorteil ihrer stärkeren sozialen Einbindung könnte daher sein, dass sie vor aggressiven Auseinandersetzungen mit größeren Individuen besser geschützt sind“, sagt Marosi.

Unterschiede zwischen Jung und Alt

Zudem zeigte sich, dass erwachsene Tiere den „Kern“ des sozialen Netzwerks bilden, während sehr alte und noch nicht ausgewachsene Haie deutlich weniger stark eingebunden sind. Insgesamt sind ältere Bullenhaie weniger sozial aktiv. „Diese älteren Individuen haben über viele Jahre ihre Fähigkeiten beim Jagen und Fortpflanzen verfeinert. Für sie ist Sozialverhalten möglicherweise weniger entscheidend für das Überleben als für Tiere in ihrer Lebensmitte“, erklärt Marosi.

Jüngere Tiere halten sich zudem oft in anderen Lebensräumen als ihre älteren Artgenossen auf – etwa in küstennahen Bereichen oder Flusssystemen – und gehen größeren Artgenossen eher aus dem Weg, da diese für sie zur Gefahr werden können. Einige besonders mutige Jungtiere wagen sich jedoch schon in die Nähe der Adulten und knüpfen Kontakte zu den erwachsenen Haien. Diese könnten ihnen den Einstieg ins soziale Gefüge erleichtern – und vielleicht sogar dabei helfen, wichtige Verhaltensweisen zu lernen.

Was bringt die Freundschaft im Meer?

Welche Rolle diese sozialen Bindungen im Alltag der Tiere genau spielen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. „Wir stehen erst am Anfang, das Sozialleben vieler Haiarten wirklich zu verstehen. Wie andere Tiere profitieren vermutlich auch sie davon, sozial zu sein – etwa indem sie neue Fähigkeiten lernen, Nahrung oder potenzielle Partner finden und Konflikte vermeiden“, sagt Marosis Kollege Darren Croft.
Marosi betont, wie wichtig es ist, das Sozialverhalten von Haiarten besser zu verstehen. Dieses Wissen könne dazu beitragen, bessere Rahmenbedingungen für ihren Schutz und ihr Management zu entwickeln. Aktuell arbeitet einer der Sponsoren der Studie, das „Fiji Shark Lab“, zusammen mit dem Fischereiministerium von Fidschi daran, die Erkenntnisse der Studie in gemeinsame Schutzmaßnahmen einfließen zu lassen.

Quelle: University of Exeter; Fachartikel: Animal Behaviour, doi: 10.1016/j.anbehav.2026.123511

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