Die Zellform von Bacillus subtilis beruht nicht nur auf der Zellwand sondern wird auch von stützenden Eiweißstrukturen im Zellinnern bestimmt. In der Zeitschrift Cell berichten britische Wissenschaftler der Universität Oxford über den Nachweis von fädigen bakteriellen Proteinen, die große Ähnlichkeit mit dem Aktin höherer Organismen haben.
Die Arbeitsgruppe von Jeffrey Errington untersuchte die Funktion der Gene mit den Kurznamen “mreB” und “mbl” in Bacillus subtilis, einem stäbchenförmigen Bakterium. Wurde das Gen mreB eliminiert, kam es während des Wachstums zu starken Schwankungen des Zelldurchmessers. Fehlte das mbl-Gen, war das Längenwachstum gestört, und das normalerweise gerade Stäbchen bildete gekrümmte und gedrehte Formen aus.
Die Forscher fanden weiter heraus, dass das Gen mreB die Information für ein Protein trägt, das sich als fädige Struktur quer durch den Innenraum der Zelle erstreckt. Das mbl-Gen dagegen kodiert für ein Protein, das als spiralig gedrehter, von einem Zellende zum anderen verlaufender Faden identifiziert werden konnte. “Sie sehen aus wie die Filamente des Zellskeletts höherer Organismen”, sagt Errington.
Das Zellskelett, das Zellen höherer Organismen ihre Form gibt, besteht aus Aktin, einer Eiweißverbindung, die lange, fädige Strukturen bildet. Ein vergleichbares Proteingerüst war bisher in Bakterien noch nicht nachgewiesen worden. Daher glaubte man, dass die Form der Bakterienzelle nur durch die Zellwand bestimmt wird.
Joachim Czichos





