Die Idee ist nicht neu: Schon in den 1950er Jahren schlugen Forscher vor, ausgebrannte Kernbrennstäbe und anderen hochradioaktiven Atommüll in tiefen Bohrlöchern zu versenken. Diese Bohrlöcher sollen mindestens fünf Kilometer tief reichen – bis in den Granitsockel der Kontinentkruste. In das nur maximal einen halben Meter breite Loch werden dann Kanister mit dem Atommüll eingefüllt und dann das Ganze je nach Konzept mit geschmolzenem Gestein oder Spezialzement versiegelt und aufgefüllt.
Renaissance der alten Idee
Seit diesen ersten Konzepten dümpelten Forschung und Pläne für das Deep Borehole Disposal (DBD) zunächst eher vor sich hin. Zum einen schien es erstmal nicht so dringend, denn nukleare Abfälle wurden in den meisten Ländern zunächst zwischengelagert. Zum anderen setzte man für Endlager primär auf alte Bergwerke und Salzstöcke. Inzwischen aber hat die Menge des Atommülls immer mehr zugenommen und die geplanten Endlager stellten sich als weit weniger sicher und geeignet heraus, als zuvor erhofft.
Als Folge erlebt nun das Deep Borehole Disposal eine Renaissance. Seit einigen Jahren wird in den USA, in Schweden und Großbritannien wieder verstärkt an dieser Entsorgungsmethode geforscht, auch in Regierungseinrichtungen ist das DBD inzwischen wieder Thema. Das US-Energieminsterium schlägt in einem Report tiefe Bohrlöcher als Alternative zu einem klassischen Endlager vor und hat bereits einen Art Fünfjahresplan aufgestellt, in dem die noch zu lösenden Fragen und nächsten Schritte detailliert beschrieben und definiert werden.
Pilotprojekt schon im nächsten Jahr
Vor wenigen Wochen gab es zudem ein Hearing vor dem Technologie-Komitee des Weißen Hauses, in dem es um konkrete Pläne für ein Pilotprojekt dieser Technologie ging. Demnach plant die USA, bereits im nächsten Jahr erste Pilottests mit solchen tiefen Bohrlöchern durchzuführen. Es werden dafür Löcher von knapp einem halben Meter Durchmesser gebohrt, in die – noch leere – Abfallkanister hineingelassen und wieder herausgeholt werden.
Dabei sollen sowohl die Absenktechniken getestet werden als auch Materialien und Verfahren, mit denen später die Atommüll-Kanister eingeschlossen werden sollen. “Wir müssen diese Bohrungen und das Demonstrationsprojekt durchführen und die Forschung damit weiterführen – und genau das wollen wir im Jahr 2016 auch tun”, sagte US-Energie-Staatsekretär Ernest Moniz beim Hearing zum Thema DBD.
Strahlender Abfall aus dem kalten Krieg
Sollten die Pilottests erfolgreich sein, hoffen die US-Behörden, in solchen Bohrlöchern ihren dringendsten Atommüll loszuwerden: hochradioaktiven Abfall aus der Zeit des Kalten Krieges, der bei der Produktion von waffenfähigem Plutonium übrig blieb. Dieser Atommüll lagert heute gekühlt in Spezialtanks im Nuklearkomplex Hanford im US-Bundesstaat Washington – einem der am stärksten verstrahlten Orte der westlichen Hemisphäre.





