Ob Kinder an Asthma erkranken, hängt auch vom Rauchverhalten ihrer Großmütter ab. Das hat eine Untersuchung amerikanischer Mediziner unter Leitung von Frank Gilliland in ergeben. Die schädliche Wirkung von Tabak kann über Generationen weitergegeben werden, auch wenn bei den direkten Nachkommen keine Schäden erkennbar sind.
Die Wissenschaftler untersuchten 908 Kinder, von denen 338 bis zum fünften Lebensjahr Asthma entwickelten. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchten, haben eine 1,5fach größere Wahrscheinlichkeit, an Asthma zu erkranken. Wenn nur die Großmutter, nicht aber die Mutter, während der Schwangerschaft geraucht hat, ist das Risiko gar um den Faktor 1,8 erhöht. Haben sowohl Großmutter als auch Mutter während ihrer Schwangerschaften geraucht, hat das Kind sogar eine 2,6fach erhöhtes Asthma-Risiko.
Eine mögliche Erklärung für diese Ergebnisse sieht Gilliland darin, dass der Tabak die DNA des Ungeborenen beeinträchtigt. Die geschädigte DNA schwächt dann das Immunsystem des Kindes. Zudem fördert Tabak die Empfänglichkeit der Mutter für Asthma, die sie an ihr Kind weitervererbt. Wissenschaftler vermuten, dass die Wirkstoffe des Tabaks ein Kind auf zwei Arten beeinflussen und zu einer erhöhten Anfälligkeit für Asthma führen. Zum einen werden die Mitochondrien, die Energie-Fabriken der Zellen, geschädigt. Da die Mitochondrien-DNA immer über die mütterliche Linie vererbt wird, werden auch etwaige Schäden über die Mutter an die Kinder weitergegeben. Zum anderen richtet der Tabak bei Mädchen Schäden an den Eizellen an, was für ihre künftigen Kinder ein Risiko ist.
Frank Gilliland ( Universität von Südkalifornien, Los Angeles) et al: Chest, Ausg. vom 11. April.
ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi