Mit dem Klimawandel und der Globalisierung kommen immer mehr eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten nach Mitteleuropa. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei vor allem den Neuankömmlingen unter den Stechmücken. Denn exotische Arten wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) können krankmachende Viren übertragen, wie das Zika-, Dengue- und West-Nil-Virus und auch Erreger von Hirnhautentzündungen.
Während die Tigermücke kälteempfindlich ist und daher unsere Winter bisher nur vereinzelt überlebt hat, ist dies bei der Asiatischen Buschmücke anders: Diese ursprünglich in Japan, Korea und China heimischen Insekten sind robust, kommen auch in kühlerem Klima gut zurecht und können sich zudem massenhaft vermehren. Kein Wunder daher, dass sich diese eingeschleppte Mückenart innerhalb weniger Jahre in Europa rasant ausgebreitet hat.
Eingeschleppt in Autoreifen
Wie Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien berichten, hat sich die Asiatische Buschmücke seit dem Jahr 2011 auch in Österreich stark ausgebreitet. Zuerst wurde sie nur in der Grenzregion zwischen der Südsteiermark und Slowenien nachgewiesen. Inzwischen hat sich die invasive Insektenart auch in Süd-, Südost- und Westösterreich etabliert. Von einem exotischen Gast könne man da schon nicht mehr sprechen, sagen die Wissenschaftler.
Nach Europa eingeschleppt wurden die exotischen Mücken wahrscheinlich in importierten Autoreifen: “Wasserlachen in den Reifen bieten ausgezeichnete Brutbedingungen für diese Stechmückenart”, erklärt Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Einmal eingeschleppt, vermehrt sich die Mücke überall dort, wo sie Wasser für die Ablage ihrer Eier findet. Die Buschmücke ist dabei genauso an natürliche Lebensräume wie an die Infrastruktur menschlicher Siedlungen angepasst.
Angriff im Schwarm
Die Wissenschaftler warnen, dass diese Stechmücke ohne nachhaltige Kontrollen zu einer neuen Plage werden könnte – und das in mehrfacher Hinsicht. Denn während die bei uns heimische Mücke Culex pipiens vor allem abends und nachts aktiv ist, macht sich die Buschmücke auch tagsüber auf die Suche nach einer Blutmahlzeit. Lästige Mückenattacken drohen daher künftig auch tagsüber.
Hinzu kommt: Die Buschmücke ist weitaus früher im Jahr aktiv als unsere heimischen Mücken und bleibt stechlustig bis in den späten Herbst. Zudem kann sie sich unter günstigen Wetterbedingungen massenhaft vermehren und bildet dann ganze Schwärme – für Menschen in Mückengebieten eine echte Plage.
Immerhin muss man nicht gleich nach jedem Stich eine gefährliche Krankheit befürchten: Zwar kann die Asiatische Buschmücke prinzipiell das Dengue-Fieber, die Japanische Enzephalitis oder das West-Nil-Virus übertragen. In Europa wurden jedoch noch keine Buschmücken mit diesen Viren nachgewiesen. “Das unangenehme Insekt ist daher nur bedingt als Überträgerin von Krankheiten eingestuft”, erklärt Nowotny. “Ganz ausschließen kann man eine Übertragung von West Nil- oder Dengue Viren jedoch nicht.”





