Laura Kelley und Susan Healy von der Universitäten Edinburgh und St. Andrews nahmen die Stimmen von 19 männlichen Fleckenlaubenvögeln über einen Zeitraum von zwei Jahren auf, während diese die Rufe und Gesänge von zwei häufig nachgeahmten Vogelarten nachäffen, nämlich die der Keilschwanzweihen und Schwarzkehl-Krähenwürger. Analysiert wurden die Aufnahmen mit der lizenzfreien Software Raven Pro des Cornell Lab of Ornithology, die den Vogelgesang in Frequenzen und Wellen darstellt. Dabei zeigte sich, dass zwar die Imitationen einander umso mehr glichen, je kleiner die Distanz zwischen den Revieren der untersuchten Fleckenlaubenvögel war. Gleichzeitig gab es aber bedeutende Unterschiede in der Wiedergabe der fremden Vogelrufe, die nicht durch die räumliche Entfernung erklärt werden konnten. Diese Abweichungen waren jeweils typisch für die einzelnen Vögel, da diese bestimmte Melodien häufig wiederholten.
Die Forscher erklären diese individuellen Lautmuster mit der direkten Nachahmung der fremden Vogelstimmen, ohne dass diese von anderen Fleckenlaubenvögeln gelernt werden. So wird der imitierte Schwarzkehl-Krähenwürger als Vogel mit einem kleinen Revier nur von wenigen Laubensängern gehört. Weil jeder dieser Würger charakteristische Laute von sich gibt, formen auch die einzelnen Laubenvögel, die ihn nachahmen, unterschiedliche Rufe.
Wieso bestimmte Vögel andere Arten nachahmen, darüber können die Wissenschaftlerinnen bis jetzt nur Vermutungen anstellen. Möglicherweise versuchen zumindest einige der Imitatoren, sich mit einem unkonventionellen Balzgesang von den anderen Männchen abzuheben.





